Die der Menschheit zu Gebote stehende Produktionskraft ist unermesslich. Die Ertragsfähigkeit des Bodens ist durch die Anwendung von Kapital, Arbeit und Wissenschaft ins Unendliche zu steigern.“ So der Philosoph Friedrich Engels 1844 in einem Beitrag zur Frage, was davon zu halten sei, dass die Erde zwangsläufig an Überbevölkerung leide. Und was sagte Findus, der Kater von Pettersson, zum ewig krähenden Hahn Caruso? „Geh weg, und mach Suppe aus Dir!“ Beide goldenen Sätze sind gerade zusammengeführt worden.
Zur Erinnerung: Engels hatte dem Philosophen Thomas Malthus widersprochen. Dessen Populationsgesetz besagte, wenn jedes Paar sechs Kinder habe und diese jeweils wieder sechs und so weiter, dann wachse die Bevölkerung exponentiell. Die Landwirtschaft aber wachse bestenfalls linear und also sei „bei dem großen Gastmahle der Natur“ irgendwann für die meisten „kein Gedeck mehr gelegt“. Ergo zu wenig Suppe, ergo Hunger, ergo Elend. Engels dachte demgegenüber an Fortschritte der Düngechemie und der Tierzucht. Außerdem konstatierte der Philosoph Karl Marx: „ein abstraktes Populationsgesetz existiert nur für Pflanze und Tier“, der Mensch pflanze sich historisch mal so, mal anders fort. Jetzt jedoch haben Forschungen der Hamburger Verbraucherzentrale ergeben, dass nicht einmal Pflanze und Tier und also auch nicht Caruso und die Seinen abstrakten Gesetzen unterliegen. Man darf einfach nicht so malthusianisch-negativ von der Phantasie der Leute denken, die aufs Gedeckelegen spezialisiert sind.
0,18 Prozent Erdbeeren in der Erdbeerschokolade
In einer handelsgängigen Hühnersuppe (real) fanden die Verbraucherschützer, den Angaben der Hersteller folgend, – siehe www.vzhh.de – nämlich nur 0,1 Prozent Hühnerfleisch, in einer Erdbeerschokolade (Milka) nur 0,18 Prozent Erdbeerspuren, in einem Milchbrei mit Pfirsich („Schlummerbrei Humana“) nicht einmal ein Prozent Pfirsichsaftpulver und im Biomilchbrei-Erdbeere (Hipp) gerade mal ein Prozent Erdbeerflocken. Das passt zu Meldungen, die zuletzt öfter zu hören waren, und es passt dazu, dass die Lebensmittelindustrie inzwischen so viel Vertrauen genießt wie der Gebrauchtwagenhandel.
Aber ganz zu Unrecht. Denn an der Hamburger Meldung fasziniert weniger diese Information, als die durchgeführte Umkehrrechnung. Aus einem einzigen Huhn holt man dann nämlich sage und schreibe fünftausend Liter Suppe, die Ertragsfähigkeit des Huhns ist durch Anwendung von Würze, Aroma, Hefeextrakt und Verpackungsaufschriften ins Unendliche gesteigert. Die wunderbare Erdbeervermehrung löst das Ernährungsproblem, und was Jesus nicht geschafft hat, schafft Real. Gäbe es noch 0,1 Prozent Philosophie in der Wirtschaft, hieße das Handelshaus übrigens Nominal.