05.03.2004 · Die Filmfestspiele in Venedig haben nach langem Gerangel einen neuen Direktor. Der 51jährige Marco Müller, gebürtiger Römer mit Schweizer Abstammung, hatte bereits die Festspiele in Locarno und Rotterdam geleitet.
Die Filmfestspiele in Venedig haben nach monatelangem Gerangel einen neuen Direktor. Der Verwaltungsrat des Festivals einigte sich am Donnerstagabend auf den italienischen Produzenten Marco Müller (51). Der gebürtige Römer mit Schweizer Abstammung leitete in der Vergangenheit bereits die Festspiele in Locarno und Rotterdam.
Damit endet das zweijährige Engagement von Moritz de Hadeln in Venedig, der trotz überwiegend positiver Urteile aus der Filmszene im römischen Kulturministerium offenbar in Ungnade gefallen war. Das erste Festival unter der neuen Leitung findet im September statt.
De Hadeln: „Habe mein Bestes getan“
„Ich will ein Festival, das immer stärker auf die Forderungen der Filmemacher, der Vertreiber und der Zuschauer eingeht“, sagte Müller. Müller erhält einen Vier-Jahres-Vertrag, der aber nach dem ersten Festival überprüft werden soll.
Sein Vorgänger de Hadeln, der vor seiner Tätigkeit am Lido 20 Jahre lang die Filmfestspiele in Berlin leitete, äußerte sich sichtlich enttäuscht: „Ich habe mein Bestes getan.“ Ihm war es nach Expertenmeinung unter anderem gelungen, mehr Hollywood-Filme und große Stars an den Lido zu holen und schwer verdauliche Streifen aus Fernost in den Hintergrund zu drängen. Allerdings hielt er auch mit harscher Kritik an veralteter Technik und Infrastruktur in Venedig nicht zurück.
Anhänger des fernöstlichen Kinos
Müller wurde in der Verwaltungsratssitzung vom neuen Festivalpräsidenten Davide Croff vorgeschlagen. Das Gremium habe sich ohne Abstimmung auf den neuen Mann geeinigt, hieß es. „Eine sehr professionelle, aber eher elitäre Entscheidung“, kommentierte die römische Zeitung „La Repubblica“ am Freitag. Müller gilt als Kenner und Anhänger des chinesischen und fernöstlichen Kinos. Seine Wahl sei überraschend angesichts der Tendenz des römischen Kulturministers Giuliano Urbani, der den italienischen Film stärker fördern wolle. Andere Kommentatoren nannten Müller, der auch griechische und ägyptische Vorfahren hat, einen „Cineasten der Raffinesse“.
Das Gerangel um die neue Führung in Venedig hatte Monate lang gedauert. De Hadeln, der zuletzt lediglich einen dreimonatigen Vertrag hatte, klagte mehrfach über ein schwer zu durchschauendes „Netz von Intrigen“. Manche italienische Kritiker argwöhnen, die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi verfolge das Ziel, die Autonomie des Festivals zu brechen. Die Mitte-Rechts-Regierung hatte ein Reformprojekt verabschiedet, wonach die Biennale für private Geldgeber geöffnet werden soll.