05.05.2009 · In Rom wurde jetzt der neue Illuminaten-Kinofilm von Dan Brown vorgestellt. Der Vatikan hatte zwar Dreharbeiten an allen geweihten Orten untersagt, doch erschien zur Premiere der Chefredakteur des päpstlichen Hausorgans „Osservatore Romano“. Und der wartete mit einer ausgesucht coolen Missachtungs-Strategie auf.
Von Dirk SchümerWenn Schweizergardisten nicht den Vatikan, sondern ein Großkino bewachen, und wenn sie nicht den Papst, sondern Hollywood-Schauspieler eskortieren, kann man sicher sein: Es sind nicht die echten. Die Weltpremiere von „Angels and Demons“, dem zweiten Film aus Dan Browns Illuminaten-Universum, konnte mit gestreiften Wachsoldaten nirgendwo anders stattfinden als in der Ewigen Stadt, in welcher das unfromme Werk ja auch spielt.
Ganz weltlich fand die Vorführung im Musikpalast des „Auditoriums“ statt. Und weil der echte Vatikan prinzipiell keine Drehgenehmigungen für fiktionale Werke welcher Art auch immer erteilt, ist auf der Leinwand naturgemäß eine kalifornische Peterskirche aus Pappmaché zu sehen. Für Dan Browns Mix aus Esoterik, inzwischen etwas gemildertem Antiklerikalismus und Actionthriller verbat sich die katholische Kirche kategorisch jede weitere Störung geweihter Orte. Das bescherte den Bühnenbildnern in Amerika allerhand Arbeitsplätze, finden im Film doch in nicht weniger als vier römischen Kirchen papstverdächtige Kardinäle einen gewaltsamen Tod.
Intellektuell nicht sehr prickelnd
Weil aber sogar die echte Piazza Navona und das echte Pantheon kurz von außen zu sehen sind, hatte das handverlesene Publikum den Spaß, die Verschleifung von digitalisiertem und steinernem Rom auf seine Wirkung zu überprüfen. Doch trotz der Anwesenheit von Erzrömern wie Dante Ferretti und Lina Wertmüller hieß der wichtigste Ehrengast Giovanni Maria Vian. Als Chefredakteur des päpstlichen Hausorgans „Osservatore Romano“ musste er immerhin einem Papstmord, meuchelnden Kirchenfürsten sowie der versuchten Zerstörung der Peterskirche mittels Antimaterie beiwohnen.
Doch der fromme Medienmann erwies sich als gut vorbereitet: „Angels und Demons“ sei als Buch wie als Film recht amüsant, wenn auch literarisch bei weitem nicht so qualitätvoll wie „Hadrian VII.“ von Baron Corvo oder „Die Verliese des Vatikans“ von André Gide. Während letzterer blasphemische Autor beim Publikum bekannt ist, spielte der belesene Vian mit seinem ersten Hinweis auf den phantastischen Papstroman des homosexuellen Briten Frederick Rolfe von 1904 an, den sehr viel weniger Menschen gelesen haben als Browns „Sakrileg“, nämlich so gut wie überhaupt niemand. Die Botschaft: Wir Papisten wissen heute besser als die Atheisten, wie effektvoll man den Vatikan zur finsteren Katakombe von Verschwörung und Giftmord ummodeln kann. Amerikanische Oberflächenästhetik, die über Rom massenhaft historische Missverständnisse verbreitet, mag ja unterhaltsam sein, intellektuell ist sie nicht sehr prickelnd. Man hat dazugelernt im Vatikan: Belustigte Missachtung wirkt cooler als ein Bannfluch. Und ist zudem für keinerlei Werbeeffekt gut.