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Urheberrechtsdebatte Künstler, Ihr seid nicht systemrelevant!

 ·  Der „Aufruf gegen den Diebstahl im Internet“ findet immer breitere Zustimmung. Fast 4000 Künstler und Intellektuelle haben ihn bereits unterzeichnet. Die Reaktionen der Gegner radikalisieren sich und ein Gegenaufruf wurde gestartet.

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In einem öffentlichen Aufruf setzen sich mittlerweile fast 4000 Künstler, aber auch Wissenschaftsautoren und Forscher gegen die Angriffe auf das Urheberrecht zur Wehr.

Wie der Koordinator des Appells, der Literaturagent Matthias Landwehr, dieser Zeitung mitteillte, schließen sich dem Protest in steigender Zahl auch Autoren aus Wissenschaft und Forschung an. Überdies enthalte die Liste der Unterzeichner nicht nur diie Namen hauptberuflicher Künstler, sondern auch von solchen, die von ihrer Arbeit (noch) nicht leben können. Unter ihnen findet man Musiker, Schriftsteller, Fotografen, Kinderbuch-Illustratoren, Drehbuchautoren, Regisseure und Vertreter vieler anderer Sparten.

Zu den ersten Unterzeichnern gehören unter anderen Jo Baier, Rotraut Susanne Berner, Helmut Dietl, Amelie Fried, Frank Goosen, Andreas Gursky, Michael Jürgs, Charlotte Link, Daniel Kehlmann, Ulla Meineke, Andreas Mühe, Nele Neuhaus, Boris Palmer, Rocco Schamoni, Ferdinand von Schirach, Burkhard Spinnen, Cora Stephan, Uwe Tellkamp, Martin Walser und auch Sven Regner, der mit einer heftigen Polemik im Radio den breiten künstlerischen Protest einleitete.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“, die den Protest in ihrer aktuellen Ausgabe dokumentiert, spricht von der größten Aktion von Schriftstellern und Künstlern gegen den Diebstahl geistigen Eigentums.

Der Appell versteht sich auch als Antwort auf zentrale Forderungen der Piratenpartei nach einer Aufweichung des Urheberrechts und einer Legalisierung des freien Kopierens. Die Autoren bezeichnen das Urheberrecht „als historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit“, das ihnen die Unabhängigkeit und die materielle Grundlage ihres künstlerischen Schaffens sichere. Sie wenden sich gegen das vielfach angeführte Argument, Autoren seien heute nicht mehr auf Zwischeninstanzen wie Verlage und Labels angewiesen, weil das Internet eine direkte Publikation ihrer Werke möglich mache. Vielmehr bezeichnen sie diese Instanzen als ihre legitimen Interessenvertreter, denen sie freiwillig ihre Verwertungsrechte abtreten. Der häufig behauptete Interessengegensatz zwischen Urhebern und Verwertern gehe an der Realität einer arbeitsteiligen Gesellschaft vorbei.

Die Unterzeichner wenden sich auch gegen das Argument, das Urheberrecht lasse sich im virtuellen Raum nur schwer durchsetzen und sei deshalb hinfällig. Sie fordern stattdessen seine Stärkung und Anpassung an die Bedingungen der einfachen Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit geistiger Produkte. Das Urheberrecht sei als Schutz vor globalen Internetkonzernen unerlässlich, deren Geschäftsmodelle die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nähmen.

Der Aufruf findet sich unter der Adresse www.wir-sind-die-urheber.de. Dort ist nun auch die aktuelle Liste mit den Namen der Unterzeichner zu finden.

Radikalen Reaktionen

Zu welchen radikalen Reaktionen der Appell führt, lässt sich beispielhaft einer Äußerung des in Piratenkreisen geschätzten Rechtsanwalts und Bloggers Udo Vetter entnehmen, der die Debatte jetzt bereits mit der Meinungsfreiheit verbindet:

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