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Unwetter-Warnung in New York Warten auf Sandy

 ·  Ruhe vor dem Hurrikan in New York: Restaurants, Museen und Theater bleiben geschlossen, sogar die Taxifahrer verkriechen sich. Nur einer steht nicht still: Die Maschine.

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New York steht still. Die Stadt duckt sich, lange bevor die wütende Natur über sie hereinbricht. Noch kein Tropfen war auf die Fifth Avenue gefallen, noch kein Lüftchen hatte das Herbstlaub im Central Park rascheln lassen, als die Subway dichtmachte, als die Busse und die Züge sich in ihren Depots verschanzten. Selbst die Taxifahrer scheinen es vorzuziehen, zu Hause in Queens oder in der Bronx hinter herabgelassenen Rollläden dem Sturm zu trotzen. Dunkel der Broadway, geschlossen die Theater, Museen, Restaurants, Bars, Clubs. Die Sixth Avenue in Greenwich Village, eine Vergnügungsmeile an jedem Abend des Jahres, bietet einem Skateboardfahrer Gelegenheit, ganz allein auf der Asphaltpiste sein Tempolimit zu erproben. Sonst bewegt sich nichts.

Exakt so wie vor gut einem Jahr, als Irene gnädiger war als der ihr vorausgewehte Ruf. Alles wie immer also, wenn ein Hurrikan aus seinem südlichen Revier ausbricht und sich in den Norden verirrt. Wo niemand so recht weiß, was zu tun und wie ihm zu begegnen ist, mit Mut oder Langmut, mit betriebsamem Eifer oder resignierter Gelassenheit. Wer die Fenster verklebt und verbarrikadiert, muss sich nachher vielleicht sagen lassen, er habe überreagiert. Wer es nicht tut, läuft Gefahr, bald in Trümmern zu sitzen. Es ist fast immer falsch, wie eine Stadt sich auf einen Wirbelsturm vorbereitet. Hat sie, so gut es geht und so lächerlich es auch scheint, den Regenschirm aufgespannt, bläst der Wind ihn hinweg. Fühlt sie sich einigermaßen sturmfest, wird sie durchweicht. Was bleibt ihr anderes übrig, als die Schulen auf unabsehbare Zeit zu schließen, wenn sogar die Börse kapituliert? Stillstand selbst an der Wall Street. Menschenleere, bald regendurchpeitschte Hochhausschluchten, verlassene Bürotürme, dunkle Fensterlöcher.

Datenfluss unter der Oberfläche

Nur die Maschinen kennen keine Pause. Sie, die wahren Händler und Makler, die eigentlichen Unternehmer, sind überall und können von überall ins Geschehen eingreifen. Ihr Geschäft geht weiter, auch wenn die Welt an ihrer Oberfläche gestoppt ist, zum unproduktiven und unprofitablen Anhalten gezwungen wird, im Sturm auseinanderzubrechen und in Fluten zu versinken droht. Hinter der Kulisse der vor Schreck erstarrten Stadt bleibt der Datenfluss erschreckend konstant. Sandy, wirklich und wahrhaftig ein Jahrhundertsturm? Er wäre es bestimmt, zwänge er auch die Algorithmen in die Knie.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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