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Universitärer Namensstreit Nach zeitgeistigen Standards

17.03.2010 ·  Die Universität in Greifswald hat den Namen Ernst Moritz Arndts ablegen sollen, weil der (unbestrittene) Judenhass des Dichters und Volksrevolutionärs nun als so anstößig empfunden wurde, dass er weg sollte. Rätselhaft.

Von Regina Mönch
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Verliert eine Institution wie die Universität in Greifswald ihre „moralische Integrität“, wenn sie den Namen Ernst Moritz Arndts trägt? Um diese und ähnliche Fragen ging es an diesem Mittwochnachmittag in der Senatssitzung der norddeutschen Lehranstalt. Zum Glück entschieden sich 22 gegen vierzehn Senatoren für Arndt. Die „Namensablegung“ war verlangt worden, weil der (unbestrittene) Judenhass des Dichters und Volksrevolutionärs nun als so anstößig empfunden wurde, dass er weg sollte.

Arndt war zwar auch Abgeordneter der ersten frei gewählten Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, er lehrte an ebendieser Universität und war verhasst beim Landadel, weil er gegen die Leibeigenschaft stritt; und die Weimarer Republik ehrte ihn als Symbol deutschen Freiheitswillens, die Bundespost 1969 mit einer Briefmarke. Dies sei aber alles geringfügig im Vergleich mit seinen Verfehlungen, so die „Namenskommission“. Sie befürchtete zudem, die „aggressiven Parolen“, „judenfeindlich, antifranzösisch und generell xenophob“, könnten „aus dem Zusammenhang gelöst in Umlauf gebracht“ werden. Also weg damit, denn was man nicht weiß, macht keinen mehr heiß?

In die Rumpelkammer der deutschen Geschichte

Die Kommissionäre berufen sich auf „neuere Wissenschaftsparadigmen“: Colonial Studies, Gender Studies, Interkulturelle Kommunikation. Es zeige sich zudem „außerhalb“ der Universität, dass „Neonazis, die ihren Arndt kennen, und nostalgische Bürger, die ihn nicht kennen, ihn zum Anlass nehmen, ihre antidemokratischen und xenophoben Vorurteile zu pflegen“. Wen nähmen die sich aber zum „Anlass“ derselben Haltung, wäre Arndt gestrichen worden? Martin Luther, Richard Wagner, Katharina von Bora, den Freiherrn vom und zum Stein? Alle in die Rumpelkammer der deutschen Geschichte, weil sie nach zeitgeistigen Standards eben nicht rein sind?

Rätselhaft, warum die Universität nach der Wiedervereinigung, ganz und gar neu verfasst, diese „moralische Integrität“ nicht anstrebte. Damals sind viele Denkmäler gestürzt worden. Kontaminierte Straßen trugen plötzlich unverfängliche Namen wie Nelkenweg oder Narzissenstraße. Greifswald wäre neben außerideologischen Blumen immerhin noch das Meer geblieben oder das nahe Schweden, auf dessen Kolonialzeit die Gründung der Universität zurückgeht. Jenseits von Greifswald aber bleibt uns ohnehin diese historische Tradition jener schwarzrotgoldenen, nationalromantischen Demokratiebewegung erhalten, auf die sich Deutschland wieder beruft.

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