13.06.2007 · Im Streit um den Bau der Waldschlösschenbrücke legt die Stadt Dresden dem Welterbe-Komitee eine Alternative zur bisher geplanten Flussquerung vor. Der Stadtrat stimmte am Dienstagabend auf einer Sondersitzung für den Vorschlag des Architekturbüros Schlaich Bergermann.
Im Streit um den Bau der Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal legt die Stadt dem Welterbe-Komitee eine Alternative zur bisher geplanten Flussquerung vor. Der Stadtrat stimmte am Dienstagabend auf einer Sondersitzung mit deutlicher Mehrheit für den Vorschlag des Architekturbüros Schlaich Bergermann (Stuttgart).
Damit soll das Gremium, das auf seiner Sitzung in Neuseeland (23. Juni bis 2. Juli) über das auf der Roten Liste stehende Dresden befinden will, besänftigt werden. Entsteht die Brücke wie geplant, droht die Aberkennung des Titels, was ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Welterbe-Konvention wäre.
Verwirrung im Plenum
Zum Auftakt hatten die alternativen Brückenstudien für Verwirrung im Plenum gesorgt, da der amtierende Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) die entsprechende Vorlage zunächst wegen „erheblicher rechtlicher Bedenken“ von der Tagesordnung nahm. Daraufhin wurde das Papier unter Verweis auf einen früheren Beschluss des Parlaments, der die Vorlage von Alternativentwürfen bei der Unesco bis zum 14. April beinhaltete, als interfraktioneller Antrag wieder eingebracht. Aus formalen Gründen beendete Vogel die Sondersitzung und eröffnete 15 Minuten später eine neue Beratung.
Nachdem Vertreter zweier Stuttgarter Architektur- und Ingenieurbüros ihre von Gutachtern empfohlenen Brückenstudien vorgestellt hatten, geriet die letzte Generaldebatte zum Thema Brücke im Stadtrat teilweise zum politischen Schlagabtausch. Grünen- Fraktionssprecherin Eva Jähnigen appellierte, Dresden, Sachsen und Deutschland die drohende Blamage einer Titel-Aberkennung zu ersparen. CDU und FDP lehnten die neuen Entwürfe ab. „Dresden ist schon Weltkulturerbestadt, ob mit oder ohne Titel“, sagte CDU-Fraktionschef Michael Grötsch.
160-Millionen-Euro-Projekt
Die rund 20 Kilometer lange Flusslandschaft der Elbe war 2004 in die Riege der Unesco-Welterbe-Stätten aufgenommen worden. Im Juli 2006 kam sie wegen des beabsichtigten Brückenbaus auf die Liste der gefährdeten Welterbestätten. Deutschland wurde aufgefordert, das Bauvorhaben zu stoppen und Alternativ-Lösungen zu suchen.
Über das 160-Millionen-Euro-Projekt wird seit Jahren gestritten. Die Stadt will den Bürgerentscheid von 2005 für die Brücke realisieren und den Welterbetitel erhalten. Sie scheiterte mit Verfassungsbeschwerde und Eilantrag zur Verhinderung der geplanten Brückenversion vor dem Bundesverfassungsgericht. Das Regierungspräsidium hatte an ihrer Stelle dann die Entscheidung über die Vergabe der ersten Bauaufträge für Zufahrten getroffen.
Siehe auch: Dresdner Zwickmühle: Neue Entwürfe der Waldschlösschenbrücke
Esgeht doch gar nicht mehr um die Brücke...
Jutta Hamberger (Myshkin)
- 13.06.2007, 10:45 Uhr
Zeit zum Umdenken
K.D. Bätz (llechwedd)
- 13.06.2007, 12:28 Uhr