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Unesco Siedlungen der Berliner Moderne sind Welterbe

 ·  Das Dresdner Elbtal steht wegen der Waldschlößchenbrücke auf der roten Liste. Dafür sind weitere deutsche Stätten von der Unesco gewürdigt worden: Die sechs Siedlungen der Berliner Moderne zählen ab sofort zum Weltkulturerbe. Die Wohnanlagen waren zwischen 1913 und 1932 gebaut worden.

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Das Welterbekomitee der Unesco hat die Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Welterbes aufgenommen. Wie die deutsche Unesco-Kommission am Montagabend mitteilte, handelt es sich um die Gartensiedlung Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Hufeisensiedlung Britz, die nach dem einstigen Gewerkschaftsbund-Vorsitzenden benannte Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt.

Die Anlagen enstanden zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten als Antwort auf die damalige Wohnungsnot. Anfang der zwanziger Jahre fehlten in Berlin 130.000 Wohnungen. Die, die es gab, waren häufig dunkel, eng und feucht. Die Weimarer Verfassung garantierte jedoch „jedem Deutschen eine gesunde Wohnung“. Zusammen mit der Avantgarde aus Kunst und Architektur versuchte die Politik, ihre sozialpolitischen Utopien umzusetzen.

Licht, Luft und Sonne

So schufen Architekten wie Bruno Taut, Walter Gropius und Hans Scharoun funktionale, schlichte Wohnanlagen, nach damaligen Maßstäben mit ungewöhnlich viel Licht, Luft und Sonne. Die Wohnblöcke waren zum damaligen Zeitpunkt nach sozialen und hygienischen Gesichtspunkten geradezu revolutionär organisiert. Ihre Ästhetik und die Grundregeln, nach denen sie Erlebnis- und Funktionsräume organisierten, gelten bis heute als beispielhaft.

Anders als in den Mietskasernen des 19. Jahrhunderts waren in den avantgardistischen Berliner Sozialbauten Bad, Toilette und Zentralheizung Pflicht. Die Grundrisse orientierten sich am Ideal der Kleinfamilie, es gab getrennte Zimmer für Wohnen und Schlafen, es gab Balkon oder Loggia. Düstere Hinterhöfe und Seitenflügel gehörten der Vergangenheit an, die Anlagen waren hell, die Bewohner sollten in den Grünanlagen Erholung finden. Zudem war das Ganze erschwinglich, Wuchermieten waren tabu.

Es wurden auch architektonische Trends gesetzt: Die klaren Formen und Strukturen waren wegweisend für die Baumeister des 20. Jahrhunderts. Zeilenkonzepte ersetzten die Blockbebauung. Vor allem Taut setzte Farbakzente. Häufig waren in die Siedlungen auch Einkaufsläden, Cafes, Arztpraxen integriert. Berlin wurde so zur Metropole des modernen Städtebaus. Die Siedlungen sind auch heute noch begehrt. Immer mehr junge Familien zögen in die mittlerweile größtenteils sanierten Quartiere, meldete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Rund 10.000 Menschen leben momentan hier. Die Wohnungen sind heute häufig in Privatbesitz.

33 deutsche Stätten

Mit der Neuaufnahme der Siedlungen der Berliner Moderne ist Deutschland jetzt mit 33 Stätten in der Unesco-Liste des Welterbes vertreten. Zur diesjährigen Tagung in Québec, die noch bis zum Donnnerstag dauert, lagen dem Welterbekomitee insgesamt 47 Nominierungen für die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt vor.

Weltweit wurden bereits 851 Natur- und Kulturstätten in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. In Berlin tragen bereits die Schlösser und Gärten Potsdam-Berlin und die Museumsinsel den Welterbetitel.

„In besten Händen“

Der Berliner Senat hat „hocherfreut“ auf die Aufnahme der Wohnsiedlungen reagiert. Sie zeige, dass Berlin viel mehr zu bieten habe als die bekannten Sehenswürdigkeiten, sagte Senatssprecher Richard Meng am Montag. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagte, nie zuvor seien normale Wohnsiedlungen als Welterbe vorgeschlagen worden. „Wenn statt barocker Schlösser oder gotischer Dome das eigene Umfeld derartig geadelt werden soll, verleiht das natürlich der fernen Entscheidung fremder Denkmalexperten eine sehr persönliche Bedeutung.“ Sie fügte hinzu: „Die Unesco kann sich sicher sein, dass dieses deutsche Welterbe in besten Händen ist.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, AP und ddp
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