04.07.2003 · Die Unesco hat 24 Kultur- und Naturstätten neu in die Welterbe-Liste aufgenommen. Damit zählen in Zukunft 754 Stätten zum geschützten Welterbe der UN-Kulturorganisation.
Vom historischen Zentrum der Hafenstadt Valparaiso in Chile bis zu den Holzkirchen im Süden von Kleinpolen: Die Unesco hat 24 Kultur- und Naturstätten neu in die Welterbe-Liste aufgenommen. Außerdem darunten, das Tessiner Bergmassiv Monte San Giorgio und die vor rund 500 Jahren errichteten Sacri Monti in Norditalien. Der historische Kern Bremens wird vorerst nicht in das Verzeichnis aufgenommen.
Das Welterbe-Kommitee der UN-Kulturorganisation gab am Donnerstag bekannt, daß künftig 754 Stätten zum geschützten Welterbe zählen. Nach den Pariser Beratungen wurden das Bamijan-Tal in Afghanistan, das wegen der gezielten Zerstörung von Buddha-Statuen durch die Taliban vor zwei Jahren weltweit bekannt wurde, und die antike Stadt Assur in Irak auch auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.
Die Schweizer Behörden meldeten den 1.096 Meter hohen Monte San Giorgio am Südufer des Luganer Sees für die Welterbe-Liste an, um ihn „besser bekannt zu machen und aufzuwerten“. Das Tessiner Bergmassiv zeichnet sich durch geologische Schätze und Fossilien aus. Seit dem 19. Jahrhundert wurden dort tausende Skelette von Meeressauriern und Fischen entdeckt. Die fossilen Funde, darunter auch von 20 Meeressaurier- und 50 Fisch-Arten, stammen aus dem Erdzeitalter Trias vor rund 230 Millionen Jahren.
Das "neue Jerusalem"
Die Kapellen und anderen Kultstätten der neun Sacri Monti („Heiligen Berge“) wurden im 16. und 17. Jahrhundert im Gebiet Piemont-Lombardei nach Ideen des Mailänder Paters Bernardino Caimi erbaut. Der Geistliche hatte sich von einer Reise ins Heilige Land inspirieren lassen, um auf europäischem Gebiet ein „Neues Jerusalem“ zu errichten.
Mit besonderer Sorge verfolgt die Unesco den Verfall von Welterbe-Stätten in Afghanistan und Irak. In Afghanistan seien die alten Wandmalereien aus dem ersten bis 13. Jahrhundert sowie die buddhistischen Klosteranlagen im Bamijan-Tal von Zerfall und Plünderungen bedroht. Teile der Anlagen seien wegen Verminung nicht zugänglich, erklärte die Organisation. Die gezielte Zerstörung der Buddha-Statuen durch die radikalislamischen Taliban hatte im März 2001 einen weltweiten Aufschrei zur Rettung des buddhistischen Erbes in Afhganistan ausgelöst.
Hauptstadt des Assyrer-Reichs
Die antike Stadt Assur war im zweiten vorchristlichen Jahrtausend die Hauptstadt des Assyrer-Reiches im nördlichen Mesopotamien. Für die Liste des bedrohten Welterbes wurde Assur vorgeschlagen, weil die Regierung in Bagdad vor dem Irak-Krieg Planungen zum Bau eines Staudamms in der Nähe von Assur vorangetrieben hatte. Obwohl die von den Vereinigten Staaten geführte internationale Streitmacht nach ihrem Sieg gegen die irakische Armee die Pläne für den Staudammbau zunächst zu den Akten gelegt habe, könne dieses Vorhaben wieder aufleben, entschied das zuständige Unesco-Komitee.
Neu aufgeführt werden in der Liste außerdem die südafrikanische Kulturlandschaft von Mapungubwe, das prähistorische Quebrada de Humahuaca im Rio Grande-Tal in Argentinien, die Weiße Stadt im israelischen Tel Aviv, die russische Altstadt samt Zitadelle von Derbent sowie das Mausoleum Khoja Ahmad Yasawi in Kasachstan. Die königlichen botanischen Gärten in Kew in Großbritannien gehören jetzt ebenfalls dazu. Zu den Neuaufnahmen gehören außerdem die heilige historische Felsstätte Monts Matobo in Simbabwe sowie die prähistorischen Felshöhen von Bhimbetka in Indien.
Bremen zunächst nicht dabei
Bremen hatte sich mit seinem Marktplatz, der Roland-Figur sowie dem Alten und Neuen Rathaus beworben. Die Entscheidung gegen Bremen gilt nur für dieses Jahr. Ein neuer Beschluß ist im nächsten Jahr möglich. Bürgermeister Henning Scherf (SPD) zeigte sich zuversichtlich: „Das Glas ist halb voll, wir lassen den Kopf nicht hängen.“ Bis zum nächsten Jahr werde Bremen die Zeit nutzen und weiter intensiv für seine Ideen werben.
Nach den jüngsten Neuaufnahmen stehen auf der Welterbeliste 582 Kultur-, 149 Natur und 23 gemischte Stätten. Erstmals neu aufgenommen wurden Stätten aus Gambia und Sudan in Afrika sowie aus der Mongolei und Kasachstan in Asien.