23.09.2009 · Die ehemalige bulgarische Außenministerin Irina Bokova ist im fünften und letzten Wahlgang zur neuen Unesco-Generaldirektorin gewählt worden. Mit 31 zu 27 Stimmen siegte sie gegen den umstrittenen ägyptischen Kulturminister Faruk Hosni.
Von Jürg AltweggEs muss nicht gewürfelt werden. Im letzten Wahlgang fiel doch noch eine Entscheidung. Irina Bokova konnte nochmals zwei Stimmen zulegen - und überholte damit Faruk Hosni. 31 zu 27 lautet das Schlussresultat. Die Wahlkommission wird jetzt Bokova der Unesco-Vollversammlung als neue Generaldirektorin vorschlagen und diese die Wahl im Oktober offiziell vornehmen.
„Darf denn kein Araber Generaldirektor werden“, stöhnte man in den letzten Tagen im Lager des ägyptischen Kulturministers, der als Favorit angetreten war und diese Rolle bis zum Schluss spielte. Welche beiden Länder es sich zwischen dem vierten und fünften Wahlgang anders überlegten und damit den Ausschlag gaben, wird man wohl nie erfahren. Frankreich schien bis zuletzt an Hosni festzuhalten. Deutschland ging es in allererster Linie darum, Hosni zu verhindern.
Ohne die von Claude Lanzmann, Bernard-Henri Lévy und Elie Wiesel angestoßene Protestkampagne wäre Hosni wahrscheinlich problemlos gewählt worden. Man kann die Verbitterung Ägyptens und der arabischen Welt nachvollziehen, aber letztlich ist es ein gutes Zeichen, dass der ebenso umstrittene wie unfassbare Kulturminister einer Diktatur nicht Generaldirektor der UN-Organisation für Kultur, Bildung, Wissenschaft wird.
Seine Anhänger werden versucht sein, für seine Nichtwahl die Kampagne jüdischer Intellektueller verantwortlich zu machen. Allerdings haben auch viele jüdische Persönlichkeiten - wie der Nazi-Jäger Serge Klarsfeld - ihm ihr Vertrauen ausgesprochen. Am Nachmittag, wenige Stunden vor der Stichwahl, veröffentlichte Bernard-Henri Lévy auf seiner Homepage einen Artikel über die Entführung der Achille Lauro, in dem Hosni auch Sympathien für Terroristen unterstellt werden.
Die international wenig bekannte Bokova wird als integre Persönlichkeit geschildert, die beim Übergang Bulgariens vom Kommunismus in die Europäischen Union eine wichtige Rolle spielte. Im neuen Amt warten große Aufgaben und Herausforderungen auf sie, die Unesco steckt in der Krise. Mit der Wahl einer Frau beginnt eine neue Epoche.