http://www.faz.net/-gqz-8xzik

Kommentar : Eine Armee ist kein Wohlfahrtsunternehmen

Dieses Foto hing bislang als Bild in der Bundeswehr-Universität in Hamburg und wurde jetzt auf Grund der Debatte um das Verhältnis der Bundeswehr zur Deutschen Wehrmacht entfernt: Helmut Schmidt im Frühjahr 1940 als Leutnant der Luftwaffe. Bild: dpa

Soll es jetzt etwa Carl-von-Ossietzky- oder Mahatma-Gandhi-Kasernen geben? Es ist verlogen, den Leuten weismachen zu wollen, die Bundeswehr sei auch eine Dienstleistungsagentur wie die für Arbeit.

          Auch wenn die Säuberung schon in vollem Gang ist, doch noch eine Frage an die Frau Minister von der Leyen: Soll es jetzt etwa Carl-von-Ossietzky-, Kurt-Eisner-, Petra-Kelly- oder, man mag es ja gerne global, Mahatma-Gandhi-Kasernen geben? Schon andernorts aussortierte Namen wie Paul Hindenburg oder Erwin Rommel sind jetzt auch dem Militär einfach nicht mehr gut genug, ja offenbar geradezu schädlich im Sinne von Korpsgeist und „Haltung“. Es ist das eine, zweifellos Richtige, Hakenkreuze und völkisches Schrifttum zu entfernen; das andere, weniger Einleuchtende ist es, wenn man nun, wie schon bei den absurden Straßenumbenennungen, auch noch anfängt, den genuin militärischen Traditionsbestand so lange zu säubern, bis er dermaßen keimfrei ist, dass irgendwann kein Soldat mehr weiß, was eine Armee überhaupt soll, nämlich kämpfen und gegebenenfalls auch töten.

          Es ist verlogen, den Leuten weismachen zu wollen, die Bundeswehr sei jetzt auch eine dieser Dienstleistungsagenturen wie die für Arbeit und keine Institution, die ursprünglich für die Landesverteidigung und den Katastrophenschutz da war, seit dem Wort des SPD-Verteidigungsministers Peter Struck aber auch dazu, „die Freiheit Deutschlands am Hindukusch“ zu verteidigen – ein Wort, das durch die seither betriebene dauernde Wiederholung übrigens nicht wahrer wurde. Und selbst wenn es das doch wäre: Eine Armee ist eine Armee ist eine Armee und kein Wohlfahrtsunternehmen.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Entweder man leistet sich eine und nimmt einen sich hier und da, nicht überall, geradezu zwangsläufig einschleichenden, ungute Erinnerungen weckenden Geist zähneknirschend in Kauf; oder man lässt es bleiben. Was, hätte Adenauer sich damals anders entschieden und auf eine Wiederbewaffnung verzichtet, aus der Bundesrepublik geworden wäre, weiß man nicht. Sicher ist jedenfalls, dass aus der Idee der Verteidigungsministerin, die Hindenburg-Tradition durch eine bundeswehreigene zu ersetzen, so leicht nichts werden wird. Es gibt nämlich gar nicht so viele Namen. Oder welcher aus den rund sechzig Jahren Bundeswehr fiele einem dabei spontan ein?

          Wie man in der Politik Spitzenkandidaten am besten aus dem kleinen Kreis derer rekrutiert, die schon Wahlen gewonnen haben, so taugen für eine Armee eigentlich auch nur die für eine Namenspatenschaft und (stillschweigende) Identifikation, die schon einmal eine Schlacht gewonnen haben. Oberst Klein, der in Afghanistan Zivilisten bombardierte, kommt hier wohl ebenso wenig in Frage wie General Kießling, den der Minister Wörner als Homosexuellen aussortierte. Jetzt alle Kasernen nach den Verteidigungsministern als den ja meistens doch recht zivilen Dienstherren umzubenennen, wäre wohl etwas einfallslos; Helmut Schmidt darf ja nicht einmal mehr in Wehrmachtsuniform an der Wand hängen.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga fort

          Nordirak : Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga fort

          Wegen der militärischen Eskalation im Norden des Iraks war die Ausbildungsmission der Bundeswehr vorübergehend ausgesetzt worden. Der CDU-Außenpolitiker Röttgen fordert jedoch eine Neubewertung.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.