Schon der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck bewunderte, als er 1947 die kriegszerstörte Ukraine besuchte, die schönen, starken Frauen dort und sah in dem Land ein fruchtbares Weib, das Stalin sich grausam unterworfen hatte. Auch im Drama um die ukrainische Ex-Premierministerin Julija Timoschenko, die schon mit ihren milchfarbenen Roben und der weizenblonden Flechtfrisur ihre blühende Heimat zu verkörpern scheint, versucht ein Polit-Macho, Präsident Janukowitsch, dem Verbindungen zum organisierten Verbrechen nachgesagt werden, die von ihm bezwungene Machttaktikerin physisch zu brechen.
Doch sie bleibt unzähmbar. Kurz vor dem skandalösen Zwangsbehandlungsversuch hatte die kämpferische Julija aus dem Gefängnis der Zeitschrift „Wochenspiegel“ erklärt, die Ukraine werde von einem Familienklan mit bulimischem Appetit, erbärmlichem IQ und ohne moralische Werte in eine Verlierernation verwandelt. Frau Timoschenko kündigte an, in der nächsten Phase ihrer politischen Karriere einige Maßnahmen von Janukowitsch zu plagiieren und gewisse Zellen komfortabler einzurichten. Das sei natürlich ein Witz, merkte sie noch an, um hinzuzufügen: oder vielleicht nicht? Janukowitsch seien danach die Nerven durchgegangen, mutmaßt die Kiewer Korrespondentin der „Nowaja gaseta“.
Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew, der gerne in der Ukraine weilt, ist entsetzt, dass das Regime eine Frau prügeln lässt. Für Jerofejew äußert sich darin ein spezifischer Banditen-Sadismus, der Genuss daraus zieht, Frauen zu erniedrigen. Fast ebenso entsetzt ist Jerofejew über die mangelnde Anteilnahme der Ukrainer, aber auch der Russen, derentwegen - durch die von ihr mit Putin ausgehandelten Gasverträge - Julija Timoschenko überhaupt einsitzt.
Für den Schriftsteller zeugt das von der seit Sowjetzeiten nicht überwundenen Gleichgültigkeit. Jerofejew ist überzeugt, dass die Misshandlung eine Jeanne d’Arc aus Timoschenko machen wird. Die ukrainische Schriftstellerin Oksana Sabuschko hält das für abwegig. Frau Timoschenko sei eine Medienmanipulatorin, von der ein Berlusconi lernen könne. Sie habe die Politik in eine Seifenoper verwandelt. Erst hieß es, sie hungert, dann hungert sie doch nicht, dann wird sie vielleicht hungern. „Ich würde“, sagt die Kennerin der ukrainischen Seele, „selbst wenn ihr Tod gemeldet würde, erst daran glauben, wenn ich ihren kalten Körper fühlen kann.“