Home
http://www.faz.net/-gqz-nlia
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Überläufer Arnett berichtet für England

 ·  Der amerikanische Starreporter Peter Arnett berichtet weiter aus dem Irak. Neuer Arbeitgeber des von amerikanischen Medien entlassenen Journalisten ist die britische Zeitung „Daily Mirror“.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der amerikanische Starreporter Peter Arnett berichtet weiter aus Irak. Neuer Arbeitgeber des wegen seiner kritischen Äußerungen zur Strategie der Alliierten in Irak von amerikanischen Medien entlassenen Journalisten ist die britische Zeitung „Daily Mirror“.

„Von Amerika gefeuert, weil er die Wahrheit sagte... von Daily Mirror angeheuert, damit er sie weiterhin sagt“, lautete am Dienstag die Schlagzeile des Blattes. Am Montagabend hatte nach dem Fernsehsender NBC auch die renommierte amerikanische Zeitschrift „National Geographic“ ihre Zusammenarbeit mit dem Kriegsreporter beendet. Arnett hatte in einem Interview mit dem irakischen Staatsfernsehen die US-Militärstrategie in Irak für gescheitert erklärt.

„Das Offensichtliche gesagt“

Arnett selbst nahm seinen plötzlichen Arbeitgeberwechsel mit Humor: Nach seinem Rausschmiss fühle er noch immer „Angst und Schrecken“ („shock and awe“), schrieb der Pulitzer-Preisträger im „Daily Mirror“ in Anspielung auf die gleichnamige amerikanische Kriegsstrategie in Irak. Zugleich verteidigte er das am Wochenende ausgestrahlte Gespräch mit dem irakischen Fernsehen. Er sei gefeuert worden, weil er das Offensichtliche gesagt habe: „Der US-Zeitplan ist ins Wasser gefallen“, bekräftigte der Journalist bei CNN.

Er mache jedoch nicht NBC für seine Entlassung verantwortlich, betonte Arnett. Schuld sei vielmehr der Druck, den „die Medien und Politiker“ der Konservativen auf die in Bagdad arbeitenden Journalisten ausübten. Die Regierung sei extrem empfindlich, was die Berichterstattung aus Irak betreffe. „Sie wollen nicht, dass glaubwürdige Nachrichtenorganisationen von hier berichten, weil das sie vor ein enormes Problem stellt.“ Denn mit dem Herannahen der Schlacht um Bagdad wachse auch die Gefahr, dass mehr und mehr irakische Zivilisten getötet würden.

„Professionelle Gefälligkeit“

Nach seinen Gesprächen mit zahlreichen Irakern in den vergangenen vier Monaten sei es eine „professionelle Gefälligkeit“ gewesen, dem irakischen Sender eine Stellungnahme zu geben, schrieb der 68-Jährige. Er werde immer die Wahrheit sagen, egal, ob er in Bagdad, im Nahen Osten oder in Washington sei.

Die Analyse Arnetts hatte in den Vereinigten Staaten für Empörung gesorgt. Die republikanische Kongressabgeordnete Ileana Ros-Lehtinen nannte die Äußerungen „kafkaesk“, ihr demokratischer Kollege Bard Sherman bezeichnete sie als „absurd“.

Die zweite Kündigung

Das amerikanische Netzwerk NBC hatte Arnett zunächst gegen die Kritik verteidigt, ihn dann aber doch gefeuert. Kurz darauf trennte sich auch das Magazin „National Geographic“ von dem Reporter. Die Medienunternehmen haben beiderseitige Geschäftsbeziehungen: Arnett war ursprünglich im Auftrag der von dem Magazin produzierten Sendung „National Geographic Explorer“ nach Bagdad gereist.

Nachdem die NBC-Teams die irakische Hauptstadt verlassen hatten, berichtete er für NBC und die Kabelgruppe MSNBC als Korrespondent über den Krieg in Irak. In der Presseerklärung von „National Geographic“ hieß es, das Magazin habe nichts von Arnetts Interview mit dem irakischen Fernsehen gewusst. Wäre sie zuvor informiert worden, hätte sie es nicht genehmigt.

Für seine Kriegsberichte aus Vietnam hatte der aus Neuseeland stammende Arnett 1966 einen Pulitzer-Preis erhalten. 1991 verkörperte der damals für CNN aus Bagdad berichtende Reporter für viele Menschen den Golfkrieg. 1998 wurde er jedoch von dem Nachrichtensender gefeuert. Grund war ein von Arnett mit verantworteter Beitrag, der die amerikanischen Truppen offenbar fälschlich beschuldigte, 1970 in Vietnam Nervengas eingesetzt zu haben. Der „Daily Mirror“ als neuer Arbeitgeber Arnetts ist die einzige britische Zeitung, die den Irak-Krieg offen ablehnt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Geklonter Murks

Von Joachim Müller-Jung

Die Studie des Gen-Forschers Shoukhrat Mitalipov zeugt von erheblichen Schlampereien. Aufgedeckt wurden sie auf einer Gutachterseite im Internet. Hatte Luzifer seine Hände im Spiel? Mehr 1