28.02.2009 · Ein Viertel der Briten ist übergewichtig, Tendenz steigend. Nun nutzt der Gesundheitsminister die Beliebtheit einer Tanzshow, um Kinder und Erwachsene zu mehr Bewegung zu verlocken. Es soll abgespeckt werden - mit Tango, Salsa und Cha-Cha-Cha.
Von Gina ThomasDie Chinesen tun es, die Amerikaner tun es, und jetzt wollen es auch die Briten tun: den Kinder-Speck in der Schule abtanzen. Die jüngste Initiative gegen die zunehmende Fettleibigkeit der Jugend baut auf die Popularität des Wettbewerbs „Strictly Come Dancing“, der britische Fernsehzuschauer aller Generationen und Klassen samstagabends an den Bildschirm fesselt. So wie Gordon Brown meint, die Welt retten zu können, und Britannien das grünste Land sein will, hegen seine scheinbar nur in ihrer eigenen Welt lebenden Minister den Ehrgeiz, das „erste wichtige Land“ zu sein, das den Trend zum Übergewicht durch Sport und gesunde Ernährung umkehrt.
Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der Fettleibigen auf den Stand von 2000 reduziert werden, unter anderem, indem Kindern im Turnunterricht Cha-Cha-Cha, Walzer, Salsa, Quickstep und andere Tanzschritte beigebracht werden. Das Progamm wird gerade als Pilotprojekt an sechsundzwanzig Schulen eingeführt. Professionelle Tänzer weisen zunächst zwei Lehrer von jeder teilnehmenden Schule in die Techniken ein. Von deren Erfolg hängt es dann letztlich ab, ob die Tanzerei vom Sommer an landesweit angeboten wird. Nicht nur die Kondition, sondern auch das Selbstvertrauen der Kinder sollen so gestärkt werden.
Das haben sie davon
Hinter der Initiative steht eine Stiftung, die Gemeinschaftsprojekte fördert, um auf holistischem Wege dem Bildungsmangel und der sozialen Ausgrenzung von jungen Menschen entgegenzutreten. Gesundheitsminister Alan Johnson will auch Erwachsene aufs Tanzparkett locken, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Gerade in diesen Tage sind neue erschreckende Statistiken veröffentlicht worden, denen zufolge die Frequenz der Erkrankungen an Diabetes in den letzten sechs Jahren in Großbritannien um 74 Prozent gestiegen ist - eine Folge, wie die Mediziner meinen, von zu viel Junkfood und zu wenig Leibesübungen.
Zurzeit ist ein Viertel der Briten übergewichtig, und wenn es so weitergeht, werden im Jahr 2050 neun von zehn Erwachsenen an Fettleibigkeit leiden. Dazu trägt freilich auch die kurzsichtige Politik bei, die Sportfelder von Staatsschulen an Bauunternehmer zu verkaufen, um vom Immobilienboom zu profitieren. Vor kurzem wurde sogar eine der City-Academy-Schulen, die das staatliche Bildungswesen aus der Misere heben sollen, ohne einen Spielplatz gebaut. Nun muss der Staat eingreifen, um frühere Versäumnisse auszugleichen mit dem Versuch, eine Nation von Couch-Potatoes zu feurigen Salsa-Tänzern oder eleganten Walzer-Paaren zu bekehren.
Radfahren im Alltag ... zur Schule, zum Spaß usf - Wehe dem, der ignoriert
Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)
- 28.02.2009, 18:00 Uhr
Falscher Ansatz
Jo Silva (chimero)
- 28.02.2009, 19:55 Uhr