11.11.2005 · Verona Pooth, ehemals Feldbusch, wird am Samstag in seinen Kleidern auf den Papst treffen: Tristano Onofri erhält im Vatikan eine Auszeichnung. Ein weiterer Preisträger ist Benedikt XVI.
Von Ingeborg HarmsTristano Onofri ist kein scheuer Charakter. Als der Hotelierssohn aus Rimini zum ersten Mal die Stände der Düsseldorfer Modemesse sah, dachte er: „Das kann ich auch!“ und gründete am Rhein seine eigene Firma.
Er hatte in der Florentiner Modebranche volontiert und verwandelte sich in einen erfolgreichen Accessoires-Designer. Das vereinte Europa war noch weit weg, und es kam vor, daß er selbst einen LKW mieten mußte, um die Ware aus Italien rechtzeitig zu Weihnachten abzuholen. Er stellte sich auf die deutsche Frau ein, deren Handtasche schön, aber auch haltbar und mit Reißverschluß versehen sein mußte. Das machte ihn fit für Japan, wo die Damen noch anspruchsvoller waren. In den Achtzigern wagte Tristano Onofri auch den Schritt in die Pret-a-porter-Mode - zunächst mit zuviel Schwung, denn die Ideen, die er direkt von Mailänder Laufstegen importierte, kamen in Deutschland ein Jahr zu früh: „Daran mußte man sich gewöhnen. Es kribbelte natürlich in den Fingern, das Neue zu machen.“
Die Evolution der Frau
Inzwischen attestiert Onofri der deutschen Frau „eine gewisse Evolution“, und so bleibt er nicht länger auf seinen inspiriertesten Entwürfen sitzen. Seine Mode ist tragbar, durchdacht, gut kombinierbar, ein Drahtseilakt zwischen nordischem Understatement und romanischem Sex-Appeal. Letzterer darf sich vor allem in den Haute-Couture-Modellen austoben, die Tristano Onofri in seine Kollektionen einschmuggelt. In der deutschen Modewelt ist er eine feste Größe, zehn Jahre lang gehörte ihm in der „Vogue“ die Werbeseite neben dem Horoskop, und auf der CPD-Messe füllen seine spektakulären Shows traditionell den Eröffnungsabend. Er zeigte sich in Turnhallen mit italienischen Gesangsstars und ließ seine so mondäne wie praktische „Take off“-Kollektion auf dem Düsseldorfer Flughafen bewundern. „Wenn ich eine schöne Frau in meinen Kleidern sehe“, gesteht er, „fühle ich mich wie ein kleiner König.“
So viel italienisches Ehrgefühl wurde belohnt. Am Samstag wird Tristani Onofri im Vatikan der in dreizehn Kategorien verliehene Giuseppe-Sciacca-Preis überreicht. Schirmherr ist Silvio Berlusconi. Den höchsten Preis der Jury erhält Papst Benedikt XVI., ein Mann, der als Berater des Kölner Kardinals Frings beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 den umgekehrten Weg - von Deutschland nach Italien - ging, um sich, ganz wie Tristano Onofri, zu sagen: „Das kann ich auch!“ Die Bilder der beiden Roben, in Gold und Weiß, die Verona Pooth geborene Feldbusch und das italienische Model Dica in Gegenwart Seiner Heiligkeit präsentieren, werden um die Welt gehen, dessen ist sich Onofri sicher: „Es sind phan-tas-tische Kleider!“ Ein kleiner Schönheitsfehler ist ihr Durchmesser von zwei bis drei Metern.
Das päpstliche Protokoll verbietet es Damen, sich in der Gottesburg umzuziehen. Tristano Onofri hat schon zwei große Busse gemietet, um seine Musen unbeschadet zum Festort zu transportieren. Und weil man im Vatikan um elf Uhr abends die Dinnertische der dreihundertfünfzig Gäste hochklappt, geht Onofri anschließend mit seiner Entourage in den Klub „Gilda“, den besten Roms, wie er versichert. Wahrscheinlich ohne den weißgekleideten Herrn, der dem vier Jahre jungen Preis ewige Weihe verleiht und den Onofri für den wichtigsten Mann der Welt hält.