Bilder lügen nicht. Aber sie sagen auch nicht die Wahrheit. Dieser Krieg ist ein Lehrbeispiel dafür.
Auch auf dem PR-Schlachtfeld kamen die ersten Schüsse von den Amerikanern. Die von CNN hymnisch besungene Stahllawine aus Panzern im Wüstensand hat sich eingebrannt auf unseren geistigen Festplatten. Wer sich mit Fernsehtechnik auskennt, ahnt, welch gewaltige Operation diese Live-Übertragung war. Stunden später nahe der kuwaitischen Grenze der kniende Iraker mit weißer Fahne, der Stoff mustergültig rundgenäht. In Kölns Hoher Straße müßte man lange suchen, um so eine Fahne zu kaufen. Sollen wir wirklich glauben, daß Saddams Kämpfer die für alle Fälle im Rucksack hatten? Oder daß es ein einfacher Bauer war, der mit seiner Flinte den Apache-Hubschrauber vom Himmel holte? Es sind die Bilder der ersten Tage, die Bilder der Zuversicht.
In der zweiten Kriegswoche lesen wir andere Meldungen - Tote in Bagdad, Hunger in Basra -, und wir sehen andere Bilder: Im US-Hauptquartier in Doha zeigt uns der Presseoffizier wie immer die berüchtigten Vorher-Nachher-Videos aus den Zielkameras der Raketen, dann Bildwechsel, und - GIs verladen Hilfsgüter. Am gleichen Tag suchen Delphine im Hafenbecken von Umm Kasr nach Minen. Was für eine Botschaft! Flipper aus Florida riskiert sein Leben, damit die Royal Marine Trinkwasser und Trockennahrung bringen kann. Dann schlägt Saddam zurück: Kameraleute in Bagdad drehen Marktstände mit vollreifen, roten Tomaten - endlich wieder Farbe im Bild nach den Tagen des Sandsturms.
Das sind die Bilder, über die wir diskutieren, wenn wir Brennpunkte machen oder Kriegsberichte für die "Tagesschau". Zwischendurch rufen dann schon mal Medienkritiker an und fragen, ob nicht ein bißchen viele Konjunktive in unseren Sätzen sind.