18.10.2005 · Es gibt jede Menge Kinderhotels. Also ist es nur recht und billig, wenn es auch das Gegenteil gibt. So dachte es sich ein Hotelier vom Wolfgangsee, erklärte sein Haus zur kinderfreien Zone - und erntete Protest.
Kinder sind lästig. Kinder machen Krach und Unfug, kleckern und krakeelen, streiten und schreien, immer dasselbe, laute Tage, kurze Nächte. Besonders unangenehm ist das im Urlaub, wenn man seine Ruhe haben will, dafür ist Urlaub schließlich da.
Es gibt jede Menge Kinderhotels mit allem möglichen Animationsprogramm und sonstigem Kinder-Trara. Also ist es nur recht und billig, wenn es auch das Gegenteil gibt. So dachte es sich ein Hotelier vom Wolfgangsee und erklärte jetzt sein Vier-Sterne-Haus zur kinderfreien Zone. Von Mai nächsten Jahres an will er um des inneren Friedens und seelischen Gleichgewichts seiner Kundschaft willen keine Gäste mit Kindern unter zwölf Jahren mehr aufnehmen und sie statt dessen an eines der zwei Dutzend kinderfreundlichen Hotels rund um den See weitervermitteln.
Empörung aus der Tourismusbranche
Das klingt nach einer cleveren Geschäftsidee, die allerdings nicht neu, sondern in einigen Ländern wie Südafrika schon lange üblich ist. Aber statt Applaus erntet der Mann Empörung, allen voran aus der örtlichen Tourismusbranche, die nun hofft, das Publikum werde das Haus des vermeintlichen Kinderfeindes vom Wolfgangsee boykottieren. Vielleicht ist es ein Trost für ihn, daß er seine Prügel mit dem Knüppel der Heuchelei bezieht. Vielleicht avanciert er ja auch zum Märtyrer der Antidiskriminierung, der die Hohlheit des Etiketts der Kinderfreundlichkeit entlarvt, dieses epidemisch verbreiteten Selbstbetrugs.
Kinderfreundlich wollen außer dem kühnen Hotelier heute ausnahmslos alle sein. Die Reisebranche überschlägt sich mit Angeboten für Familien mit Nachwuchs, die Unterhaltungsindustrie steht ihr in nichts nach, Kinderparadiese allerorten, Kinderglück maßkonfektioniert in Kinderclubs, Kinderskischulen, Kindererlebnisbauernhöfen. Doch genau darin liegt das Drama: Unsere Gesellschaft muß sich Reservate der Kinderfreundlichkeit schaffen, weil der Alltag ganz anders aussieht. Sie kann nur deswegen Kinderfreundlichkeit als teuer zu bezahlenden Mehrwert verkaufen, weil sie längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Sie hat nur deshalb solchen Erfolg mit Katalogen voller bunter Familienprogramme, weil diese eine Flucht aus der täglichen Tristesse der Kinderunfreundlichkeit versprechen.
Was hielte man von einem Hotel, das eine Plakette mit der Aufschrift „Menschenfreundlicher Betrieb“ an die Wand schraubte? Kopfschütteln, doch „familienfreundlich“ geht immer. Insofern ist der gemaßregelte Hotelier vom Wolfgangsee ehrlicher als andere. Und er muß nur ein wenig Geduld haben, dann löst sich das Problem von allein.
Totschlag-Argument
Ulrich Vietmeyer (Ulle)
- 19.10.2005, 12:12 Uhr
Kinderfreundlichkeit
Jana Friemelt (Winterland)
- 20.10.2005, 12:10 Uhr
Von wegen "Kinderhotels" .
Otto F. Hintsch (drhintsch)
- 20.10.2005, 12:27 Uhr
Eine gute Idee.
Christine Jakeman (Ruben2)
- 21.10.2005, 11:23 Uhr
Kinderfreies Hotel
Peter Mantel (pamir1)
- 21.10.2005, 12:46 Uhr