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Tonträger "Northern Classic": Elektro-Chansons von Donna Regina

04.02.2002 ·  Neu im Plattenladen: Donna Regina versöhnt Chanson und elektronische Musik - langsam federnde Beats, Songs über Liebe und Einsamkeit.

Von Aram Lintzel
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Die Botschaft ist eindeutig: "Let's get slow" heißt das erste Stück des neuen Donna-Regina-Albums. Lass uns langsam werden! In der Tat klingt die Musik auf "Northern Classic", als wollten Donna Regina die Langsamkeit neu erfinden. Ein gemächlich verschleppter Beat prägt das Klangszenario. Und in die stoisch fließenden elektronischen Cluster fügt sich eine weibliche Stimme ein, die klingt, als spräche sie vom Himmel zu uns.

Irdische Hektik und Betriebsamkeit scheinen an Regina und Günther Janssen abzuperlen wie Wassertropfen an eingeschweißtem Gouda. "The world around us seems to move much too fast / Let's get slow, let's get slow", heißt es.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Gelassen, "laid-back", aber nie arrogant präsentiert sich das Kölner Ehepaar auf seiner siebten LP. Das muss das Alter sein, so könnte man vermuten. Schließlich gehören die Janssens längst nicht mehr zu den Youngstern unter den elektronischen Musikproduzenten. 41 und 48 Jahre alt, haben sie schon allerlei Wandlungen durchlebt. Anfangs spielten sie gitarrenlastigen Independent-Pop, ein gewisser Matthew Herbert agitierte sie dann vor einigen Jahren zu elektronischer Musik.

Und wie Herberts sublime House-Musik geben sich Donna Regina sehr privat und vertraulich. Regina Janssens Texte handeln von Liebesbeziehungen, dem Hin und Her zwischen (emotionaler) Nähe und Ferne und dem Älterwerden: Schöne, poetische Kommentare zum Für und Wider der Liebe. Das Pendel schlägt eindeutig in Richtung "Für" aus - gerade dann, wenn einsam-melancholische Momente beschrieben werden. Liebe, so die Botschaft, macht auch die traurigsten Momente zu glücklichen.

Cocooning in der Kühle

Regina Jannsen trägt ihre englischen Texte in einem entrückten, ausdruckslosen Stil vor, der an Nico, Brigitte Bardot oder sogar an Hildegard Knef erinnert. Es ist ein gekonnter 'Anti-Gesang', der an den scheinbar falschen Stellen betont und sich keine Mühe gibt, authentisch englisch zu klingen.

In Kombination mit den federnden, flockigen Rhythmen und Melodien, welche Ehemann Günther aus dem Computer (gelegentlich auch aus der Hawaiigitarre) zaubert, ergibt sich eine befremdlich unterkühlte, Bilder von weißen Winterlandschaften aufrufende Atmosphäre. Die Stimmung lädt zum langsamen 'Cocooning' ein. Eingehüllt in diese keineswegs experimentelle aber doch außergewöhnliche Musik, können Gedanken und Gefühle dann ungestört dahintreiben. "Drifting Around" lautet denn auch der Titel des letzten Stücks. Spätestens hier verschwimmen Raum- und Zeitgrenzen unwiderruflich. Wundervoll!

"Northern Classic" von Donna Regina ist auf Karaoke Kalk erschienen.

Quelle: @aram
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