Masha Qrella lässt sich Zeit, bevor sie den Mund aufmacht. Das war bei ihren beiden Instrumentalbands so, Mina und Contriva, auf deren Alben die Keyboarderin und Bassistin zuletzt auch mal gesungen hat. Ein Lied pro Album. Jetzt hat sie gleich zehn Songs auf einmal gesungen und als Solo-Album mit dem Titel „Luck“ veröffentlicht. Und das ist ein Glück.
Auch auf „Luck“ lässt sich Masha Qrella Zeit mit dem Singen. In aller Ruhe - und dies ist ein Album der Ruhe - lässt sie ihre Songs entstehen, sie lüftet ihre Zeilen ausgiebig in schlichtesten Rhythmen und Begleitklängen, und wenn erst einmal eine Strophe rum ist, versackt auch schon mal das Schlagzeug vollständig, das Stück scheint sein Ende gefunden zu haben, bevor es sich wieder anbahnt, eine Gitarrenfigur, einer dieser rührenden Basisklänge vom Synthesizer. Dazu Gesang: versunken, nach innen gekehrt, kunstlos. Und Herz erwärmend.
Alleingang
In der Villa Qrella hat die junge Musikerin ihr Debütalbum aufgenommen, und wenn man es hört, kann man sich das Wohnzimmer ganz gut vorstellen, in dem Masha Qrella und Produzent Norman Nitzsche die Stücke eingespielt und aufgenommen haben. Manchmal kamen ein paar Freunde vorbei, Bandkollegen, und haben mitgemacht. Der Rest kommt von Frau Qrella selbst. Diese unprätentiöse Reduktion hätte sich womöglich auch keine Band getraut.
Und noch etwas kann man wohl nur alleine schaffen: Bei einigen Stücken sind die Samples so schief geschnitten und mit minimaler Verschiebung platziert, dass die Aufnahmen eine irritierende Unwucht entwickeln und Hand gemacht vor sich hinhumpeln. Das hält wach wie Krümel im Bett. Das macht „Luck“ zu einem Album zum Zuhören, das zugleich unaufdringlich ist und unerbittlich. Und es macht den Weg frei für die Entdeckung musikalischer Kombinationen von schönster Schlichtheit.