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Die Minihaus-Bewegung boomt : Komm hinaus ins Kleine!

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Mobiles Heim: Für die Anhänger der amerikanischen Minihaus-Bewegung findet sich große Freiheit in der kleinsten Hütte. Bild: Bulls / Caters UK

Im Land der grenzenlosen Weite wollen immer mehr auf kleinstem Raum wohnen. Auch in deutschen Städten werden aus Platzmangel Kleinsthäuser gebaut.

          Wenn eine neue Architekturbewegung ausgerufen wird, ist sie meist verbunden mit einem spektakulären Bau, der Anwendung neuester parametrischer Designmethoden oder Materialien aus der Weltraumforschung – denkt man. Es sind dann aber vor allem die kleinen Schritte, die in Krisensituationen wirkliche Bedeutung haben und als neue Bewegung in die Architekturgeschichte eingehen. Wobei „Bewegung“ in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist – denn oft passen die Bauten, die in der „New York Times“ als Vertreter eines neuen „Tiny House Movement“ oder „Small House Movement“ beschrieben wurden, auf einen Anhänger und haben die Größe eines Wohnwagens.

          In Colorado wird ein Minihaus auf Rädern inspiziert.

          Hier geht es weder um Wochenendhütten noch um eine Architektur der Not und des Übergangs, wie sie viele Amerikaner nach dem Platzen der Immobilienblase 2008 beziehen mussten, weil sie ihre Häuser verloren. Mit den kleinen, mobilen Behausungen soll ein Haltungswechsel erreicht werden: weg von gigantischen Einfamilienhäusern, deren Dreifachgaragen allein die Größe eines alten Siedlerhauses haben, hin zum Wesentlichen. Die Kleinsthäuser setzen gegen das aus allen verfügbaren Baustilen zusammengenagelte, platzverschwenderische Gestückel des üblichen amerikanischen Wohnhaustraums die Rückkehr ins Glück der Selbstbeschränkung. Für die meisten dieser Häuser stand Thoreaus „Walden“ Pate. Das erste war, so wird immer wieder erzählt, das Minihaus von Jay Shafer, einem jungen Designer und Unternehmer, der sich ein kleines Haus auf einem Anhänger baute und mehr als zehn Jahre darin lebte. Mittlerweile gibt es einen regelrechten Boom.

          Zurück ins Herz Amerika

          Tausende „Tiny Homes“ entstehen auf Kleingrundstücken. Wobei: Leicht ist dieses Wohnmodell nicht zu vermitteln in einem Land, in dem jenseits der Megacitys Platz zum Bauen in prärieartigem Überfluss vorhanden ist und räumliche Ausdehnung mit persönlicher Freiheit gleichgesetzt wird. Die Dusche befindet sich zusammengeklappt unterm Bett, der Ofen liefert die Asche zur Kompostierung der im Sitzmöbel integrierten Toilette – das Ganze konzentriert sich auf knapp acht Quadratmetern und kann per Anhänger von Oregon nach Texas versetzt werden, was an einen anderen amerikanischen Traum anknüpft, den vom Nomadentum.

          Im Tiny House ist weniger mehr.

          Auf der Internetseite der „Small House Society“ kann man sich in Videobeiträgen die Philosophie der Bewegung erklären lassen. Es gibt Adressen von Firmen wie der „Tumbleweed Tiny House Company“, die sich auf den Bau dieser „Low Cost Housing“-Konzepte spezialisiert haben. Was in Zeiten des massenhaften Auszugs der Amerikaner in die Vorstädte bestenfalls als „Low Cost Housing“-Lösung für Entwicklungsländer betrachtet wurde, kehrt jetzt ins Herz der amerikanischen Gesellschaft zurück.

          Schmerzhafte Mieten in Berlin

          Aber auch in Europa und Japan tauchen immer mehr Minihauskonzepte auf. Das Architekturbüro Sanaa, das in der Schweiz den Uni-Campus der École Polytechnique bei Lausanne gebaut hat, ist auch hierzulande für seine Minihäuser bekannt, etwa das von Ryue Nishizawa entworfene „Moriyama House“, das aus einem Haus elf frei stehende Wohnkuben macht und aus dem klassischen Wohnhaus ein Mikro-Dorf, das wie eine Wohngemeinschaft funktioniert – nur dass statt eines eigenen Zimmers hier jeder ein eigenes Kleinstgebäude mit Duschbad und WC bewohnt.

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