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Tierkreiszeichen 3 Im Zeichen des Zwillings

21.05.2008 ·  Das Leben des Zwillings ist fröhlich und leicht: Er wechselt gewitzt seine Positionen und gibt sich als heiterer geistiger Spieler. Das wusste schon Thomas Mann, seines Zeichens selbst ein Zwilling, in seinem Roman „Joseph und sein Brüder“ zu verarbeiten.

Von Lorenz Jäger
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Wie kommt es dem Kinde nur, fragt sein Vater Jaakob den jungen Joseph in einer sternklaren Nacht, „dass seine Rede gewitzt ist durch und durch, so dass sie lustig fällt über den Felsen der Wahrheit und ins Herz plätschert, dass es vor Freude hüpft?“ Thomas Mann, geboren am 6. Juni 1875, wusste, als er „Joseph und seine Brüder“ schrieb, die Antwort: Die Gabe kam von den Sternen, und vor allem vom Zeichen Zwillinge, das auch sein eigenes Sonnenzeichen war.

Denn wo beim Stier, dem vorhergehenden Bild, die Welt schwer, massig, naturhaft und stofflich erschien, da verwandelt sich dem Zwilling alles ins Leichte, in die reine Erfindung der Bezüge. Man wechselt Positionen, erprobt sie mit unendlichem Interesse und gibt sich als heiterer geistiger Spieler. Wege und Kunstgriffe gelingen in solcher Loslösung von den Sachen und dem Blick auf die Relationen.

Das urzeitliche Horoskop des Autors selbst

Das Zeichen untersteht Merkur, dem Götterboten, wie auch Joseph weiß. Der Witz nämlich, den der Vater an ihm bewundert, „hat die Natur des Sendboten hin und her“. Und so, fährt der kluge Joseph fort, „so hat es mich Eliezer gelehrt, dein weiser Knecht, als er mir anzeigte die Wissenschaft der Sterne und ihrer Begegnungen und ihrer Macht über die Stunde, je wie sie sich anschauen. Und als er mir stellte den Stundenzeiger meiner Geburt zu Charran in Mesopotamien im Tammuz-Monat um Mittag, da Schamasch“ - das ist in Babylon, dem Ursprungsland des Sternglaubens, die Sonne - „im Scheitel stand und im Zeichen der Zwillinge und im Osten heraufkam das Zeichen der Jungfrau.“

Was der junge Joseph schildert, ist, man weiß es längst, nichts anderes als das Geburtsbild von Thomas Mann selbst. „Um sieben Uhr in die Stadt gegangen“, notierte der Schriftsteller am 5. März 1920 und fuhr fort: „Im Luitpold Rendezvous mit O. Schmitz und mit ihm zu Abend gegessen. Zuerst Astrologisches, mein u. Heinrichs Horoskop. Dann Philosophie, Lebensweisheit, Medizinisches, Physiologisches, Psychoanalytisches.“ Oskar A. H. Schmitz, von dem hier die Rede ist, war der Verfasser des einschlägigen Werkes über den „Geist der Astrologie“, Schwager des geisterseherischen Alfred Kubin.

Hermes-Merkur ist der babylonische Nabu, der ägyptische Thot, „der Tafelschreiber“, wie Joseph meldet: „Das ist ein leichter, beweglicher Gott, als welcher zwischen den Dingen zum Guten redet und fördert den Austausch. Und auch die Sonne stand also in einem Zeichen Nabu's, der war der Herr der Stunde.“ Ein kunstgerecht ausgelegtes Horoskop, in urzeitlicher Sprache! Nur dass die Sonne im „Scheitel“ gestanden habe, im Zenith, war Thomas Manns eigene, lässliche Hinzufügung - es sollte aussehen, als stehe nicht nur der Schriftsteller, sondern sogar sein Gestirn in der Nachfolge Goethes, bei dem, mit dem Glockenschlag zwölf, die Sonne „kulminierte“.

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