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Thomas Gottschalk : „Ich habe viel Mist gebaut“

  • -Aktualisiert am

Unser Mann in Kalifornien - Thomas Gottschalk, als er noch etwas jünger war. Bild: LAIF

Thomas Gottschalk hat seine Autobiographie geschrieben. Grund genug, sich mit ihm zu unterhalten: Über sein Rollenvorbild, Eichendorffs „Taugenichts“. Über Ohrfeigen für die Söhne. Über die Angst vor dem Tod.

          Wie war das, schreibend auf Ihr Leben zurückzublicken?

          Eine größere Herausforderung als gedacht. Ich habe da nicht nur Heldentaten im Rückspiegel gesehen.

          Warum wollten Sie das überhaupt machen: über Ihr Leben schreiben?

          Wollte ich ja gar nicht. Der anfängliche Versuch, die Erkenntnisse zusammenzustellen, die ich in meinem Leben gewonnen habe, führte zu nichts. Dann habe ich begonnen aufzuschreiben, wie ich zu diesen Erkenntnissen kam. Heraus kam eine Lebensbeschreibung.

          Was war das erste Bild in Ihrem Kopf?

          Das Schwimmbad meiner Heimatstadt, ein Ort kindlicher Glückseligkeit.

          Thomas Gottschalk: „Herbstblond. Die Autobiographie“. 368 Seiten, 19,99 Euro

          Es überrascht zu lesen, wie sehr Sie in der Vergangenheit leben. „Ich bin fasziniert von der versunkenen Welt“, schreiben Sie. Oder: „Ich bin überraschend häufig im Gestern unterwegs.“ Seit wann ist das so? Und was machen Sie da, im Gestern?

          Aus dem Gestern hole ich mir die Orientierung für das Morgen. Mit dem, was ich in der Vergangenheit gelernt habe, bestreite ich die Herausforderungen der Zukunft, merke aber, dass das immer schwieriger wird.

          Botho Strauß hat Ihnen den Klappentext geschrieben und eine sehr herzliche Mail, die wir hier abdrucken dürfen. Warum haben Sie ihm die ersten Kapitel Ihres Buches geschickt?

          Mein Bruder hat mir „Herkunft“ zu Weihnachten geschenkt. In diesem Buch denkt Strauß oben weiter, was ich unten angefangen habe. Meine Lektorin hat dann den Kontakt gemacht. Ich war mir nicht mal sicher, ob mich Strauß überhaupt kennt. Und dann ist seine Antwort auch noch bei mir im Spam-Filter gelandet.

          Sie schreiben, Sie hätten gern im Zeitalter des „Sturm und Drang“ gelebt. Wie hätten Sie da Ihr Geld verdient?

          Ich wäre glücklich verhungert.

          Thomas Gottschalk bei der Verleihung der Goldenen Kamera im Februar 2015

          Der „Taugenichts“ von Eichendorff sei Ihr Vorbild in der Literatur, schreiben Sie. Wissen Sie noch, wann Sie das erkannt haben? Was an dieser Figur hat Sie zur Nachahmung gereizt?

          Ich musste das mit 17 Jahren lesen, weil Eichendorff zur schlesischen Identität gehört hat. Dem „Taugenichts“ war alles wurscht, und trotzdem ist ihm am Ende alles geglückt. So hab ich das auch geplant – aber nicht ganz hinbekommen.

          Wann in Ihrem Leben war der Moment, in dem Sie erkannt haben, dass Sie etwas können, was in Deutschland sonst kaum einer kann: Menschen aus dem Stand unterhalten, glücklich machen, interviewen ohne Vorbereitung, quatschen ohne Faktenangst?

          Mit dieser Begabung habe ich mich durch Schule und Studium geflunkert. Danach habe ich gedacht: Jetzt kriege ich den Rest des Lebens auch noch so hin. Ob ich mit dieser Methode auch die Menschen in meiner Umgebung immer glücklich gemacht habe, bezweifle ich inzwischen.

          Zu Besuch bei Marcel Reich-Ranicki im Jahr 2012

          Ihr Beruf und Ihre Gabe: „Auf Glatzen Locken drehen“, schreiben Sie. Karl Kraus hat das Bild benutzt, um Feuilletonisten zu charakterisieren und zugleich zu verspotten. Sehen Sie sich als geheimen Feuilletonisten?

          Im Gegenteil, ich hatte immer das Problem mit den Feuilletonisten, dass sie mir die Glatze vorwarfen, statt mich für die Locken zu loben.

          Erstaunlich viel Raum in Ihrem Buch nimmt die Beschäftigung mit Ihren Kritikern ein. Sooft Sie auch schreiben, och, das sei Ihnen im Grunde egal, und Ihren Erfolg hätten die ja nie verhindern können, so sehr spürt man auf jeder Seite: Das quält Sie ungemein. Warum? Warum ist der überwältigende Erfolg, den Sie über weite Strecken Ihres Berufslebens hatten, nicht genug? Müssen Sie wirklich von allen geliebt werden? Und ist das nicht auf Dauer auch sehr anstrengend?

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