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Literatur : Der Block

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Vier von achtzehn Bänden: der neue Kindler Bild:

Kindlers Literaturlexikon ist eine Legende. Jetzt erscheint es in der dritten Auflage. Aber kann dieser Fels des Weltbuchwissens gegen das Internet noch bestehen? Bericht von einem verzweifelten Kampf.

          Es ist ein Überwältigungswerk: Der neue Kindler, das legendäre Lexikon der Weltliteratur, erscheint in diesen Tagen in seiner dritten, völlig neu bearbeiteten Auflage. Er hat die Farbe eines Felsens und wiegt 32,5 Kilogramm. 1500 Mitarbeiter haben insgesamt 21.564 Artikel geschrieben. 13.000 Werke aus 231 Sprachen, von Abchasisch bis Zulu, werden behandelt. Das Lexikon umfasst 18 Bände mit insgesamt 14.760 Seiten. In einem Büro in Göttingen, beim Generalherausgeber Heinz Ludwig Arnold, liefen in den letzten fünf Jahren die Fäden zusammen, wurde geplant, entworfen, eingesandt, korrigiert und immer wieder korrigiert. Jetzt ist es fertig, und man steht davor und staunt. Staunt vor allem darüber, dass es so etwas noch gibt, dass der zum Holtzbrinck-Konzern gehörende Metzler-Verlag ein solches Unternehmen mit all seinen finanziellen Risiken noch einmal gewagt hat.

          Der Kindler ist eine Legende, jeder Literatur-Interessierte kennt ihn, hat darin gelesen. Es ist ein Buch der Bücher, ein beinahe unendliches Literaturuniversum, manche Artikel waren so gut, dass man das besprochene Buch gar nicht mehr lesen musste oder enttäuscht war, wenn man es doch las. Der Verleger Helmut Kindler hatte zwischen 1965 und 1974 die erste Auflage, damals in sieben Bänden, herausgebracht, 1988 folgte die von Walter Jens herausgegebene, völlig überarbeitete zweite Auflage – „der neue Kindler“. Und jetzt also: der ganz neue und höchstwahrscheinlich auch: der letzte Kindler.

          Die Zeit für privat finanzierte, eigenständige Universallexika geht zu Ende. Brockhaus hat im letzten Jahr schon erklärt, dass die 21. Auflage des deutschen Lexikons wohl die letzte bleiben wird. Die Gratis-Quelle Internet und dort vor allem das unendlich schnelle, bewegliche und immer zuverlässigere Lexikon Wikipedia sind langfristig einfach übermächtige Gegner. Die Zeiten gehen vorbei, in denen man in dem massiven Wissensblock Kindler ein vollkommen zuverlässiges Exklusivwissen vermuten konnte. Schon der Preis ist in Zeiten des großen Umsonst ein Hammer: Der Subskriptionspreis für die gedruckte Ausgabe beträgt bis zum Ende des Jahres 1950 Euro, danach 2400 Euro.

          Ein Auslaufmodell?

          Wer wird das bezahlen?

          Und dabei gibt es gar keinen Zweifel daran, dass ein solcher Preis für ein derartiges Unternehmen absolut angemessen ist, um auch nur in die Nähe einer Kostendeckung zu kommen. Es gibt das Lexikon auch in einer Online-Version, und dass diese allerdings genauso viel kostet wie die gedruckte Ausgabe, erscheint dann doch ein wenig weltfremd. 2400 Euro für ein Passwort? Wer wird das bezahlen? Und keineswegs ist es so, dass man als Käufer der gedruckten Ausgabe die Online-Nutzung gleich mit erwirbt. Eine Kombination aus beidem kostet ab 1. 1. 2010 3360 Euro. Und nur wer einen Online-Zugang gekauft hat, ist später berechtigt, einmal im Jahr ein Update für jeweils 99 Euro zu erwerben. Es wird schwierig für den Kindler, so viel ist sicher.

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