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Kempowskis Geheimdienstverwicklung : Irgendetwas bleibt immer hängen

  • -Aktualisiert am

Walter Kempowski 1944 Bild: ddp

Walter Kempowski war kein Spion. Er hat zu keiner Zeit im Auftrag des amerikanischen Counter Intelligence Corps (CIC) spioniert, er stand nicht auf dessen Gehaltsliste. Das, und nichts anderes, steht in den Akten - meint der Kempowski-Forscher Dirk Hempel und widerspricht damit Alen Keele.

          Der amerikanische Germanist Alan Keele hat in dieser Zeitung behauptet, Walter Kempowski sei ein Spion gewesen (siehe Alan Keele: Walter Kempowski war doch ein Spion). Inzwischen wird schon die Frage diskutiert, ob dessen Werk neu bewertet werden müsse. Der so in Gang gekommene Mechanismus erinnert an die Plagiatsaffäre aus dem Jahr 1990, als der „Stern“ Kempowski als „Abschreiber“ denunzierte. Auch wenn damals die großen Zeitungen des Landes den absurden Vorwurf entkräfteten: Hängen blieb doch etwas, ganz vergessen ist die Sache immer noch nicht.

          Deshalb hier in aller Deutlichkeit: Walter Kempowski war kein Spion. Er hat zu keiner Zeit im Auftrag des amerikanischen Counter Intelligence Corps (CIC) spioniert, er stand nicht auf der Gehaltsliste dieses militärischen Nachrichtendienstes. Das, und nichts anderes, steht in den Akten, die nun als Sensation präsentiert werden. Man muss sie nur genau lesen und ihren Inhalt richtig wiedergeben.

          „Alles frei erfunden!“

          Der Begriff „Akten“ suggeriert Materialfülle, mehrere Ordner, einen Vorgang von einiger Tragweite. Doch es handelt sich nur um ein schmales Memorandum, das zwei Schreibmaschinenseiten umfasst und in dürren Worten die Treffen des damals achtzehnjährigen Walter Kempowski mit dem Regionalbüro des CIC in Wiesbaden beschreibt. Außerdem gibt es einige Seiten mit Informationen über andere Personen aus Kempowskis Rostocker und Wiesbadener Bekanntenkreis.

          Bei aller gebotenen quellenkritischen Skepsis im Umgang mit Geheimdienstakten: Es geht daraus nur hervor, dass Kempowski in einem Zeitraum von zwei Monaten, im Dezember 1947 und Januar 1948, das Büro des Geheimdienstes aufsuchte, offensichtlich häufiger, „als er in den Romanen behauptet“, wie Keele sich wundert. Muss man ihn wirklich an den Unterschied zwischen Autor, Erzählerinstanz und literarischer Figur erinnern? Der Walter des Romans „Uns geht's ja noch gold“ ist nicht identisch mit dem Autor Walter Kempowski. „Alles frei erfunden!“, heißt es dort eingangs, der Untertitel lautet: „Roman einer Familie“. Keine Autobiographie, sondern Fiktion, wenn auch auf der Grundlage von Fakten, eine für Kempowskis Werk so charakteristische Mischung, in der reale Ereignisse und Personen mit literarischer Freiheit gestaltet werden.

          Hier wäre die Geschichte zu korrigieren

          Mehrmalige Besuche im Büro des amerikanischen Geheimdiensts erfüllen für Keele also schon den „Tatbestand der Spionage“. Aber jemand, der mit dem Geheimdienst spricht, ist noch lange kein Spion. Einige Persönlichkeiten unseres Landes haben sich erfolgreich dagegen gewehrt, als Spitzel bezeichnet zu werden, nur weil sie, aus unterschiedlichen Motiven, mit der Stasi gesprochen haben.

          Der amerikanische Geheimdienst hat Walter Kempowski nicht eingestellt und ihn auch nicht mit Spionageaufträgen ausgesandt. Die Mitteilungen, die Kempowski bei den Gesprächen machte, bezeichnete der CIC als wertlos. Und als Kempowski Ende Februar 1948, kurz vor seiner Reise nach Rostock, anbot, in seiner Heimatstadt allgemeine Informationen einzuholen, wurde ihm ausdrücklich bedeutet, dass das nicht im Auftrag des CIC geschehe, sondern seine eigene Initiative sei. So steht es in den Akten. Kempowski aber wurde kurz nach der Ankunft in Rostock von einem Bekannten an die Russen verraten, allerdings und anders, als Keele nahelegt, nicht von seinem Schulfreund Hans Siegfried, und verhaftet.

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