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Im Fernsehen: Millenium-Trilogie : Lara Crofts knallharte Schwester schafft sie alle

Allein wegen Noomi Rapace als Lisbeth Salander lohnt sich das Anschauen der Millenium-Trilogie Bild: Knut Koivisto

Stieg Larssons bereits im Kino erfolgreiche Roman-Trilogie zeigt das ZDF seit dem vergangenen Sonntag als Sechsteiler. Manche Handlungsstränge laufen ins Leere, doch reißt Noomi Rapace in der Rolle der Hackerin Lisbeth Salander alles heraus.

          Skandinavische, zumal schwedische Krimis und Thriller sind wie Schweizer Uhren - ein glanzvoller Markenname mit Präzisionsgarantie und weltweiter Ausstrahlung. Es sind die Präzision der Grausamkeit und der Glanz der Düsternis, die seit Mitte der sechziger Jahre von ihnen ausgehen, als Maj Sjöwall und Per Wahlöö ihren schließlich zehnbändigen „Roman über ein Verbrechen“ um den Kommissar Martin Beck zu veröffentlichen begannen. In Henning Mankell und seinen Wallander-Romanen fanden sie einen kongenialen Nachfolger. So eroberte die schwedische Kriminal-Industrie zuerst den europäischen Buchmarkt und spätestens mit den Verfilmungen der Wallander-Stoffe auch das Kino und das Fernsehen.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit seiner „Millenium“-Trilogie hat der 2004 im Alter von fünfzig Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorbene Stieg Larsson dann überdies das Kunststück vollbracht, die bis dahin skandinavien-resistenten, weil auf ihre eigenen Krimi-Giganten eingeschworenen britischen Leser zu gewinnen und, noch erstaunlicher, auch jene in den Vereinigten Staaten, die sich üblicherweise um ausländische Spannungsware nicht kümmern. Larsson hat den globalen Erfolg nicht mehr erlebt, alle drei Romane erschienen postum - in Deutschland unter den angesichts ihres Inhalts recht sinnlosen, ja stupiden, für die Vermarktung indes genialen Titeln „Verblendung“ (2006), „Verdammnis“ (2007) und „Vergebung“ (2008).

          Ein Witz angesichts der Spuren

          In jeweils zwei Stunden währenden Filmfassungen kamen sie 2009 kurz hintereinander auch ins Kino - und jetzt kommen sie wieder, dieses Mal in toto neun Stunden lang, zudem auf dem renommiertesten Sendeplatz, den das Fernsehen hierzulande für anspruchsvolle Mehr- und Vielteiler aus der internationalen Crime-Produktion zu bieten hat: am Sonntagabend um 22 Uhr im ZDF. Für die kommenden sechs Wochen sollte man diesen Termin fest einplanen. Auch eingefleischte Larsson-Leser werden hier ästhetische Valeurs entdecken können, die ihnen die Romane nicht bescheren - und für die Kenner der sehr viel kürzeren Kinoversion wird die Langfassung manch unerwartet epische Überraschung bereithalten. „Millenium“-Neulinge kommen ohnehin auf ihre Entdeckungskosten, auch wenn sie tapfer und bis jeweils kurz vor Mitternacht ersessen sein wollen.

          Ungewöhnliches Gespann: Der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) und Lisbeth Salander (Noomi Rapace)

          Wie ihre deutschen Titel sind auch die Romane und deren Verfilmung teilweise hanebüchen. „Verblendung“ etwa spielt in schwedischen Industriellenkreisen. Larsson selbst, in Autorentreue aber auch der Regisseur Niels Arden Oplev, muten uns da ein Serien-, mehr noch: ein Massenmörder-Duo zu, dessen Taten angeblich über vier Jahrzehnte hinweg nahezu unbemerkt bleiben - ein Witz angesichts der Spuren, die sie hinterlassen.

          Der entscheidende Mehrwert der Filme

          In „Verdammnis“, einem Vater-Tochter-Drama mit russischem Agentenhintergrund, begegnen wir einem so blonden wie schmerzunempfindlichen Zombie-Hünen namens Niedermann, der wie die schwache Karikatur der „Bond“-Figur „Beißer“ wirkt, die in „Der Spion, der mich liebte“ und „Moonraker“ immerhin durch ihre unfreiwillig humoreske Frohnatur für sich einnahm: Humorfreiheit ist übrigens der Generalbass aller Larsson-Verfilmungen. Im dritten Teil, also in „Vergebung“, werden wir schließlich mit einer schrecklich unglaubhaften Gruppe schrecklich alter Männer konfrontiert, die sich gegen den schwedischen Staat verschwören und gegen die jene realen „Mumien“ aus unserem Auswärtigen Amt quicklebendig erscheinen.

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