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Don Winslow im Gespräch : „Der Glaube, dass die Welt weitergeht“

  • Aktualisiert am

Don Winslow spricht über seinen Roman „Tage der Toten” Bild: ASSOCIATED PRESS

Der amerikanische Schriftsteller Don Winslow spricht über den Drogenkrieg in Mexiko, die dünne Linie zwischen Fakten und Fiktionen und über seinen Roman „Tage der Toten“.

          Kaum hat man Ihren Roman gelesen, stößt man überall auf Nachrichten vom Drogenkrieg in Mexiko, hört von verhafteten Bossen und erfährt, dass in den letzten vier Jahren mehr als 25.000 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer fielen. Eine merkwürdige Koinzidenz!

          Don Winslow: Ja, es sind im Übrigen mehr Opfer als in Irak und Afghanistan zusammen im selben Zeitraum. Ich habe 2001 in der Zeitung von einem schockierenden Massaker in Mexiko gelesen, bei dem neunzehn Unschuldige, darunter Frauen und Kinder, ermordet wurden. Daraus ist der Prolog des Romans geworden. Ich hatte, als ich anfing, mich über das Thema zu informieren, nie vor, einen Roman daraus zu machen. Ich bin ein Entertainer, ich schreibe ziemlich überschaubare Thriller und Kriminalgeschichten. Aber die Sache hat mich damals nicht losgelassen. Ich wollte wissen: Was ist die Geschichte dahinter, wie konnte es dazu kommen?

          Wie lange haben Sie an dem Roman gearbeitet?

          Fünfeinhalb Jahre. Das erste Jahr bestand nur aus Recherchen, danach ging es hin und her, zwischen Schreiben und weiteren Recherchen. Man weiß ja zunächst nicht, was man alles nicht weiß. Ich hätte mühelos 2000 Seiten schreiben können.

          Wie sahen Ihre Recherchen aus?

          Ich lebe ja nicht weit von der Grenze, wenn ich auf den Hügeln in der Nähe meines Hauses stehe, kann ich bis nach Mexiko gucken. Ich habe damit angefangen, einfach herumzuhängen, bekannt zu werden in den mexikanischen Vierteln von San Diego, im Barrio. Es war sehr schwierig, Kontakte zu knüpfen, aber es ist noch schwerer, mit Polizisten zu reden als mit Kriminellen. Als Schriftsteller hatte ich es sicher einfacher als ein Journalist, ich enthülle ja in dem Roman nichts, was man nicht auch wissen könnte, ich konnte, wenn mir jemand etwas erzählte, die Ereignisse eher ein wenig verhüllen. Es gehörte zu meiner Arbeit, gewissermaßen zum Mobiliar zu werden; man muss nur lange genug herumstehen, um nicht mehr bemerkt zu werden. Aber ich habe auch Gerichtsprotokolle gelesen, CIA-Berichte und Berichte der „Drug Enforcement Agency“ (DEA), Protokolle der Kongressanhörungen. Wir haben ja in Amerika den „Freedom of Information Act“, der einem den Zugriff auf viele Akten erlaubt, auch wenn in diesen Akten dann vieles geschwärzt ist. Ich habe mir auch mexikanische Polizeiberichte übersetzen lassen. Und ich habe mich dabei sehr bemüht, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, selbst wenn es eine abstoßende Sichtweise war. Eine schlichte Einteilung in Gut und Böse hätte mich nicht einen Schritt weitergebracht.

          Mit welchen Leuten haben Sie denn in Mexiko geredet? Wie hoch in der Hierarchie waren die angesiedelt?

          Es waren mittlere Ränge, an die Großen kommt man gar nicht heran. Aber ich kann dazu auch nicht viel mehr sagen.

          Wurden Sie denn jemals bedroht bei Ihren Recherchen?

          Ernsthaft bedroht wurde ich zwar nicht, aber man hat mir schon ein paar Mal signalisiert, dass es jetzt gut sei.

          Und in welchem Stadium wurde dann aus diesen Nachforschungen ein Roman?

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