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„The Passion“ Protestgefördert

18.02.2004 ·  Erst fand sich kein Verleih, jetzt läuft Mel Gibsons „The Passion“ am kommenden Aschermittwoch mit über 2000 Kopien in den amerikanischen Kinos an. Geholfen hat das große Geschrei um diesen Film.

Von Heinrich Wefing
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Es gebe, heißt es in Hollywood, keine schlechte Publicity. Ganz gleich, was die Leute reden, so die Faustformel, Hauptsache, sie reden. Mel Gibsons ambitionierter, bluttriefender Film "The Passion" über die letzten zwölf Stunden im Leben Christi taugt offenbar glänzend zur Bestätigung dieser zynischen These. All die Proteste von jüdischen wie christlichen Theologen, das Werk, das noch nicht in den Kinos angelaufen ist, habe antisemitische Untertöne oder vermittele zumindest den Eindruck, die Juden trügen die Hauptverantwortung am Tod Jesu, haben dem Film nicht geschadet. Im Gegenteil.

"The Passion", für den sich anfangs kein Verleiher finden wollte, wird in einer Woche, am Aschermittwoch, in den Vereinigten Staaten mit weit über zweitausend Kopien anlaufen. Kritiker vermuten, das mindestens dreißig Millionen Dollar teure Projekt werde seine Kosten wohl schon am ersten Wochenende einspielen. Manche Kinos melden bereits Rekordvorbestellungen. Die heftigen Einwände, die unübersichtliche Debatte über den Film und die teils wüsten Entgegnungen Gibsons haben die Neugier erst richtig angeheizt.

„Ein Film über die Liebe“

Der Regisseur freilich führt dieser Tage auch vor, daß es selbst für einen abgebrühten Öffentlichkeitsarbeiter wie ihn keine reine Freude ist, ins Gerede zu kommen. In mehreren ausführlichen Interviews, darunter einem mit der angesehenen Journalistin Diane Sawyer vom Fernsehsender ABC, demonstrierte Gibson angesichts des Streits um seinen Film eine eigenartige Mischung aus Wut und Gelassenheit, Bockigkeit und Elastizität. Er bestritt neuerlich, daß "The Passion" antisemitisch sei, weigerte sich strikt zu verstehen, was manche Kritiker an dem Werk beunruhigen könnte, räumte sogar ohne Anflug von Reue ein, einem seiner heftigsten Kritiker, dem "New York Times"-Kolumnisten Frank Rich, öffentlich den Tod gewünscht zu haben, erklärte aber auch, eine besonders provokante Textzeile aus dem Film geschnitten zu haben, weil sich theologische Subtilitäten eben nicht in Sekundenbruchteilen darstellen ließen.

"The Passion", so Gibson, sei ein Film über das ungeheure Opfer, das Jesus für alle Menschen gebracht habe; es sei, trotz der schockierend drastischen Gewaltdarstellungen, ein Film über die Liebe. Gefragt, warum er denn nicht wenigstens dem Wunsch mancher Vertreter jüdischer Gemeinden nachgekommen sei, im Abspann diese Liebesbotschaft zu formulieren und ausdrücklich vor jeder Schuldzuweisung an die Juden zu warnen, zeigte sich Gibson unwillig. Eine solche Nachschrift, sagte der Schauspieler mit gerunzelter Stirn, vermittele den Eindruck, irgend etwas stimme nicht mit seinem Film. "Und das ist nicht richtig. Es ist nichts falsch an meinem Film." Nun, wir werden sehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2004, Nr. 41 / Seite 36
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