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Thalia droht Verkauf : Platzhirsch in Not

  • -Aktualisiert am

Jahrelang breitete sich die Buchhandelskette Thalia massiv aus und verdrängte kleinere Konkurrenten. Jetzt steht das Unternehmen vor existenziellen Problemen, die es selbst geschaffen hat.

          Immer mehr Geschäfte mit immer größerer Fläche: So begann vor gut zehn Jahren die literarische Flurbereinigung deutscher Innenstädte durch die Buchhandelskette Thalia. Kaum ein Ort, wo nicht mindestens eine alteingesessene Buchhandlung der neuen Welt von angestrahlten Verkaufstischen, Rolltreppen und Cafeterias weichen musste. Seine damals bereits hundert Filialen hat das Unternehmen seither knapp verdreifacht, auch wenn jene, die abseits der Fußgängerzonen und Einkaufspassagen liegen, schon lange wie verhärmte Trödelläden wirken.

          Jetzt, da nicht mehr allein von Umstrukturierung und der Schließung einzelner Läden die Rede ist, sondern die Douglas Holding den Verkauf der Buchtochter erwägt, ist das Platzproblem des Platzhirsches offenkundig - und die erst im Januar verkündete „Strategie“, die Buchflächen zu verkleinern und lieber dreißig als zwanzig Prozent des Umsatzes mit Schreibwaren und Spielzeug statt mit Gedrucktem zu bestreiten, Makulatur. Bei den Verlagen weckt die Nachricht wenig Mitleid. Denn Thalia ist Opfer einer Entwicklung geworden, die das Unternehmen selbst befördert hat, und das nicht nur, weil der Monopolist den individuell ausgerichteten Buchhandel entmutigt hat.

          Profitieren die kleinen Buchhandlungen?

          Auf Thalias Konto geht auch die Erfindung des Zentrallagers, wo Verkaufsstrategen bestimmen, welche Bücher in der nächsten Saison gelesen werden. Wie bei Castingshows bekommen Verlage eine halbe Stunde Zeit, ihr Programm anzupreisen; für die glücklichen Titel, die es danach ins Zentrallager schaffen, sind außerdem Rabatte und Werbekostenzuschüsse fällig - weshalb die Bücher kleiner Verlage dort praktisch nie auftauchen. Geistige Anregung bietet der allerorts gleiche Gang entlang der Bestsellerstapel kaum noch, während das Internet die Kunst der unaufdringlichen Beratung längst perfektioniert hat.

          Da steht Thalia dem Konkurrenten Amazon ähnlich ratlos gegenüber wie Weltbild und der Rest der Branche. Dass den stationären Buchhandelsriesen die Puste ausgeht, bedeutet darum auch nicht, dass die Kleinen nun zum Sprint ansetzen können. Die Hoffnung, dass die Krise der auf Anonymität setzenden Ketten einen Boom der unabhängigen, persönlichen Buchhandlungen bedeuten könnte, hat sich bisher nicht bestätigt, trotz schöner Ausnahmen wie etwa der zur Gruppe „5plus“ zusammengeschlossenen feinen, kleinen Buchhandlungen. Solche Schaufenster sollten nicht die einzigen sein, die den Büchern bleiben. Doch ob im analogen Buchhandel irgendjemand von der Misere der Giganten profitieren wird, ist längst nicht ausgemacht.

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