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Teurer Drahtseilakt Spiderman's Spinnereien

 ·  Seit neun Jahren müht man sich damit ab, die Comic-Geschichte mit all ihrer Akrobatik auf die Broadway-Bühne zu bringen. Die Premiere musste aus Sicherheitsgründen bereits verschoben werden. Das Vorhaben droht nun ein Millionengrab zu werden.

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Mit dem Netz haben wir alle inzwischen Erfahrung gesammelt. Deshalb aber käme uns nicht gleich in den Sinn, wie Spinnenmann durchs Weltgewebe zu kreuchen und fleuchen. Und das ist gut so, denn leicht verheddert sich im Spinnennetz der Nichtspinnenmann. Am Broadway wird das zurzeit in unwillkommener Drastik vorgeführt. Dort wird ein Musical angekündigt, an dem seit Jahren die teuersten Fachkräfte des Showbiz werkeln: Bono und The Edge sind für die Musik zuständig, die Regie hat Julie Taymor übernommen, deren Ruf seit dem „Lion King“ ins Legendäre gewachsen ist.

Vor neun Jahren kam der Plan auf, die Comic-Geschichte von Peter Parker, dem schüchternen Jungen, der nach einem Spinnenbiss ungeahnte Fähigkeiten in sich entdeckt, auf die Bühne zu bringen, mit Musik und viel Luftakrobatik. Vergangenen Januar sollte endlich Uraufführung sein, aber daraus wurde nichts, vor allem weil die Seiltechnik noch nicht ausgereift war und es zweimal sogar zu Verletzungen der Darsteller kam. Auch die folgenden Premierendaten stürzten ab, mit ihnen das hochsaisonale Kartengeschäft für die Zeit um Thanksgiving sowie Weihnachten und Neujahr.

Das Internet als vielleicht letzter Ausweg

Jetzt gab es endlich die ersten Previews, aber was von jenen Testflügen vor zahlendem Publikum an die staunende Öffentlichkeit dringt, dürfte den Geldgebern, die bereits die absolute Rekordsumme von fünfundsechzig Millionen Dollar in die Produktion gesteckt haben, ein paar weitere schlaflose Nächte bereiten. Statt über den Köpfen der Zuschauer seinem nächsten Abenteuer entgegenzusausen, bleibt Peter Parker alias Spiderman schon mal in den Seilen hängen, was für den Illusionseffekt nicht zuträglicher ist als für die Geschichte, die Frau Taymor zur großen Menschheitsparabel zu erweitern gedenkt.

Spiderman soll uns nämlich zeigen, wie wir, rafften wir uns nur dazu auf, hoch über unser kleines Selbst hinausfliegen können. Es wäre zu dumm, wenn das Gegenteil, wie es die Wirklichkeit nur allzu oft bereithält, den Sieg ausgerechnet am Broadway davontrüge. Noch kann für „Spider-Man: Turn Off the Dark“ geprobt werden, bei Kartenpreisen von weit mehr als hundert Dollar bis zum 11. Januar, dem neuesten Premierendatum. Tauchen dann immer noch Probleme beim Seilfliegen auf, wäre es vielleicht an der Zeit, die Starterlaubnis zu widerrufen und „Spider-Man“ samt seinem antiquarischen Netz ins aktuelle Netz zu verfrachten, wo jeder so fliegen kann, wie seine Spinnerei es will.J.M.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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