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Terroranschläge in Amerika Norman Mailer: „Wir werden die meistgehasste Nation sein“

16.09.2001 ·  Trauer und Systemkritik, Lösungsvorschläge und Resignation: Prominente Stimmen zu den Terroranschlägen in Amerika.

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Renommierte amerikanische Autoren und Wissenschaftler sehen keine Alternative zum Kampf gegen den Terrorismus. Sie fürchten durch den angekündigten Krieg aber Schaden für die Demokratie in den USA und das Ansehen des Landes in einigen Regionen der Welt.

„Jedes Mal, wenn die Vereinigten Staaten Krieg geführt haben, haben die Bürgerrechte - die Rechte des einzelnen Bürgers gegen den Staat - gelitten“, sagt der Philosoph Richard Rorty (Stanford-Universität) in einem Beitrag für die am Montag erscheinende Sonderausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Richard Rorty: Der John-Wayne-Machismo der Politik

Rorty zeigt Verständnis für eine militärische Reaktion der USA, kritisierte aber zugleich die Bush-Administration. „Der John-Wayne-Machismo, der uns dazu brachte, weiterhin Menschen in Vietnam zu töten, obwohl wir längst wussten, dass wir diesen Krieg nicht würden gewinnen können, beherrscht nach wie vor die Politik in Washington.“ Was immer nun geschehe - sicher sei, dass sich Amerika noch stärker militarisieren werde. Rorty bezweifelt, dass die US-Regierung die Öffentlichkeit wahrheitsgemäß informiere.

Norman Mailer: Amerika muss politisch umdenken

Der Schriftsteller Norman Mailer hält neben der Terrorbekämpfung ein politisches Umdenken der USA für notwendig. Die Amerikaner sollten „endlich lernen, weshalb so viele Menschen ihr Land verabscheuen“, meint Mailer in einem von der „Welt am Sonntag“ veröffentlichten Beitrag. Große Teile der Welt, und besonders die zurück gebliebensten Nationen, empfänden die USA als „ihre kulturellen und ästhetischen Unterdrücker“.

Vor allem den Armen werde das einzige, was sie haben, genommen: ihre Wurzeln. „Bis Amerika den Schaden begreift, den es anrichtet, indem es darauf besteht, dass der amerikanische, auf Profit ausgerichtete "way of life" nicht notwendigerweise zu allen Ländern passt, werden wir in Schwierigkeiten sein“, befürchtet Mailer. Er schließt mit den Worten: „Wir werden die meistgehasste Nation auf der Erde sein.“ Mailer spricht sich dafür aus, die stählernen Zacken des zerstörten World Trade Centers als nationales Denkmal stehen zu lassen.

Samuel Huntington: Kampf der Kulturen vermeiden

Nach Ansicht des Harvard-Professors Samuel Huntington (Der Kampf der Kulturen / The Clash of Civilisations, 1996) ist eine Koalition der USA mit ihren Verbündeten und islamischen Staaten gegen den Terrorismus notwendig, um einen „Kampf der Kulturen“ zwischen westlicher und islamischer Welt doch noch zu vermeiden. Entscheidend sei, wie islamische Staaten jetzt mit den USA zusammen arbeiten. „Wenn diese Staaten diesen Krieg aussitzen, sich gar mit den Verbrechern solidarisieren, wächst die Gefahr, dass daraus tatsächlich ein Clash of Civilizations wird und nicht bloß ein Kampf der zivilisierten Gesellschaften gegen die Kräfte des Bösen“, sagt Huntington der „Zeit“.

Der Strategie-Experte betont, es sei sehr schwer, einen Feind zu bekämpfen, der in vielen Ländern und kleinen Zellen arbeite und „zweifellos den nächsten Schlag“ vorbereite. „Man muss offensiv vorgehen, diese Gruppen infiltrieren und kampfunfähig machen ... Man macht sie ausfindig und schaltet sie aus“. „Grundsätzlich bleibt allerdings das Problem, dass der Terror teilweise von Staaten, teilweise aber von kleinen Gruppen organisiert wird, die von der Globalisierung profitieren...“ Nur mit Hilfe ihrer Verbündeten und islamischer Staaten könnten die USA denn auch diesen Krieg gewinnen.

E.L. Doctorow: Handlungsfähigkeit wie im Zweiten Weltkrieg

Für den Schriftsteller E.L. Doctorow ist die amerikanische Gesellschaft nach dem Terror eng zusammengerückt und steht jetzt geschlossen hinter Präsident Bush. Was dessen Handlungsfähigkeit angeht, erwartet Doctorow eine ähnliche Entwicklung wie während des Zweiten Weltkriegs, „als trotz Meinungsverschiedenheiten im Inneren das Land geschlossen hinter den Kriegsanstrengungen stand“, sagt Doctorow, dessen New-York-Roman „City of God“ soeben auf Deutsch erschienen ist, der „Zeit“.

Frederick Forsyth: Fehdehandschuh aufnehmen und zurückschlagen

Der Brite Frederick Forsyth, einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren („Der Schakal“), hat schon vor 18 Jahren die Idee zu einem Buch über ein Attentat mit einem Flugzeug auf einen Wolkenkratzer verworfen. „Ich habe das nie verwendet, weil ich nicht dachte, dass der durchschnittliche Leser das für glaubhaft halten würde“, schreibt Forsyth in einem Leserbrief an die Londoner Zeitung „The Sunday Telegraph“. Außerdem habe er niemals ein Komplott beschreiben wollen, das leicht zu kopieren sei.

„Die Tage der Selbsttäuschung des Westens sind vorbei“, so Forsyth. „30 Jahre lang haben wir uns im Westen selbst belogen und geglaubt, wir könnten mit Terrorismus auf niedrigem Niveau leben.“ Ein Kompromiss sei jetzt sinnlos. „Die Forderungen der Terroristen sind unerfüllbar, und der Westen kann nur den Fehdehandschuh aufnehmen und zurückschlagen.“

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