22.02.2008 · Hätten Sie gerne ein Pfund Geld? Dann auf zur großen Kaffeeröster-Kette ihrer Wahl. Dort wird heute Geld verkauft. Für 3,88 Euro aus Malta zahlen Sie nur 6,50 Euro - ein Schnäppchen.
Von Andreas PlatthausSchönen guten Morgen, hätten Sie gerne ein Pfund Geld? Fein gestückelt, vakuumverpackt und aus einem möglichst exotischen Emissionsgebiet? Dann auf zur großen Kaffeeröster-Kette ihrer Wahl. Dort wird heute Geld verkauft, und nie war es so günstig wie jetzt - für den Verkäufer (fast wären wir geneigt, von TransFair-Handel zu sprechen). Für 3,88 Euro zahlen Sie nur 6,50 Euro. Ein Schnäppchen! Natürlich nur, solange der Vorrat reicht.
Der reicht allerdings ewig, denn was könnten Staaten schon besser als Gelddrucken? So ist es auch auf Malta, das seit dem 1. Januar als vierzehnter Staat der europäischen Währungsunion beigetreten ist und also den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt hat. Nun gibt es Menschen, die sammeln Geld. Nicht einmal aus praktischen Gründen, um wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu werfen, damit es ihnen auf die Glatze prasselt, sondern weil sie Münzen lieben.
Der Sammler kann nicht warten
Und Menschen, die Geld sammeln, freuen sich über neues Geld wie das aus Malta - zumal es einige Monate dauern dürfte, bis die ersten Münzen mit den Motiven Dolmen, Staatswappen und Malteserkreuz ihren Weg in die Kassen der deutschen Supermärkte finden, wie es mittlerweile sogar mit vatikanischen Euromünzen passiert ist. So lange kann ein Sammler nicht warten, also kauft er beim Kaffeeröster seiner Wahl einen vollständigen Münzsatz. Gewinne erfreuen das Herz des Kaffeerösters, und so gibt er in seiner Freude noch eine Sammelmappe mit dazu. Sollte es auf Malta Sammler geben, die nach deutschen Euromünzen dürsten, könnte man aus dem Handel ein pfiffiges Arbitragegeschäft machen und sich den mühsamen Kaffeehandel ganz sparen.
Geld heckt wieder Geld, haben wir mal irgendwann von Marx gelernt, als das noch opportun war. Hier scheint das rechte Rezept dazu. Obwohl es noch ausbaufähig wäre: Warum nicht analog zum vollständigen maltesischen Münzsatz auch den vollständigen maltesischen Scheinsatz? Jeweils einmal Banknoten über 500, 200, 100, 50, 20, 10 und 5 Euro im Album zum günstigen Komplettpreis von 1500 Euro? Das ist ungefähr dasselbe Verhältnis, aber ein viel größerer Gewinn. Viel Spaß damit, auf Wiedersehen.
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
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