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Talkshow Peace, Mr Rumsfeld

10.02.2003 ·  Donald Rumsfeld hat Sabine Christiansen ein Interview gewährt - und überhaupt nicht gebissen. Ganz zahm zeigte sich dort der große Zuchtmeister der Deutschen. Deutlich aggressiver trat bei „Christiansen“ der Pazifismus auf.

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Donald Rumsfeld ist auf dem besten Wege, in Deutschland ein Superstar zu werden. Der amerikanische Verteidigungsminister und Liebhaber deutlicher, wenn auch hierzulande nicht immer nachvollziehbarer Worte ist zum Lieblingsfeind der deutschen Friedensbewegten und zur schillernden Figur geworden.

Während George W. Bush den Kriegsgegnern wahlweise als Marionette, als Geisel der Ölmafia, als Vatersöhnchen oder als alles zusammen gilt, scheint ihnen Rumsfeld von einem ganz anderen Kaliber zu sein: ein rechter Krieger und viriler Kerl mit einer unmissverständlichen Meinung, der alle Schwächlinge und Zauderer verachtet und mit ätzendem Spott überzieht. Schaudernd blicken die deutschen Saddamversteher hinauf zu diesem Dinosaurier aus der Ära des Kalten Krieges, der zu ihrem Entsetzen noch höchst lebendig ist, vitaler jedenfalls wirkt als die gesamte Garde unserer diplomatisch gesinnten Außenpolitiker.

Das Interview einer deutschen Journalistin mit dem leibhaftigen Donald Rumsfeld verspricht dem Fernsehvolk dieser Tage folglich einen Nervenkitzel, der dem eines Tête-à-tête mit Dr. Hannibal Lecter gleichkommt. Die furchtlose Sabine Christiansen war es, die dem Manne entgegentrat, ihn abfing am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz und ihn in einem Séparée nach dem deutsch-amerikanischen Nichtverhältnis befragte. Das aufgezeichnete Gespräch bildete das Herzstück der Christiansen-Talkshow am Sonntag abend. Doch siehe da, die Bestie zeigte sich zahm.

Die wunderbaren Deutschen

Überraschend freundlich, so kündigte die Moderatorin fast entschuldigend das Interview an, habe sich Rumsfeld diesmal gegeben und sei „bemüht“ gewesen, die Irritationen herunterzuspielen. Tatsächlich plauderte ein entspannter Donald Rumsfeld von der „hervorragenden Arbeit“, welche die deutschen Soldaten in Afghanistan leisteten, wies - „Oh my Goodness“ - die Vermutung zurück, es handele sich bei den Deutschen um keine guten Verbündeten mehr, und vertraute seiner Gesprächspartnerin an: „Die Deutschen sind wunderbare Menschen.“

Den deutschen Bundeskanzler meinte er damit vermutlich nicht. Ein Urteil über die Bundesregierung aber werde er als Amerikaner nicht abgeben, versicherte Rumsfeld treuherzig - als habe er eben dies in den letzten Tagen und Wochen nicht mehr oder weniger explizit getan. Dramatisch sei die Verstimmung jedenfalls nicht, zumal da Meinungsverschiedenheiten in der westlichen Allianz durchaus nicht ungewöhnlich seien: „Seit ich erwachsen bin, gab es ein derartiges Problem praktisch alle vier, fünf, sechs Jahre.“ Worauf Rumsfeld frühere Politiker und Krisen aus den 60er und 70er Jahren nannte und bewies, dass auch das neue Amerika nicht völlig geschichtsvergessen agiert.

Die tatsächliche Tragweite des zerrütteten Verhältnisses zwischen Amerika und Deutschland - ungeachtet dessen wunderbarer Menschen - blieb den Christiansen-Zuschauern wohl verborgen. Und wenn es auch nicht ganz falsch sein mag, dass die deutsche Politik - wie es gern heißt - sonntagabends bei Christiansen gemacht wird, so gilt dies für die internationale Politik auf gar keinen Fall. Für die wirklich klaren Worte der Mächtigen und die daraus folgenden Entscheidungen ist die Show die falsche Plattform. Und das allein schon wegen der schwammigen, jegliches verbale Risiko scheuenden Rhetorik der Gastgeberin, die sich von einem „darf man ja wohl so sagen“ und „kann man so sagen“ zum nächsten hangelte, die befand, dass Deutschland „ein bisschen da auf der Anklagebank sitzt“, und erklärte: „Belgien ist jetzt - wie soll man sagen - dabei.“

Hysterischer Pazifismus

Die Diskussionsrunde schließlich, die das Rumsfeld-Interview umrahmte, belegte ein weiteres Mal die traurige Erkenntnis, dass der Pazifismus oft ungleich unsympathischer daherkommt als ein kompromissloser Kriegskurs. Während der einstige NATO-General Naumann und Rumsfelds Berater Richard Perle ruhig und sachlich für einen Schlag gegen Saddam Hussein argumentierten, vertrat die einstige Grünen-Chefin Claudia Roth die Gegenposition auf gewohnt weinerliche, gereizte, geradezu hysterische Weise.

Es sei keine extreme, sondern eine verantwortungsvolle Politik, „wenn wir überzeugt sind, dass es falsch wäre, einen solchen Krieg zu führen, dann eine negative Position nicht einzunehmen“, verwirrte Roth das Publikum, das an ihrer Überzeugung doch in keiner Sekunde zweifeln musste: Mit trotzig verschränkten Armen, Schmollmund und Kopfschütteln gab die Politikerin, die heute nur noch eine von zwei kulturpolitischen Sprecherinnen ihrer Partei ist, ihre Empörung über die Amerikaner schon nonverbal Ausdruck. Großzügig gewährte Christiansen der zeternden Roth ungefähr soviel Redezeit wie allen anderen Gästen zusammen und ließ sie auch das Schlusswort sprechen - an Rumsfelds Berater Perle gewandt: „Give Peace a Chance.“ Keine Frage: Das wird den Amerikanern zu denken geben.

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