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Tagung in Marbach : Vom Gurlitt-Clan und den Buddenbrooks

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Die einzelnen Familienmitglieder leisteten Bemerkenswertes, ergeben jedoch keine gemeinsame Geschichte: Eine Tagung in Marbach sucht nach einem verbindenden Muster in der Gelehrtendynastie.

          Sind das eigentlich irgendwie die „Buddenbrooks“, und ist der letzte vielleicht Hanno? Diese salopp zugespitzte Frage stellte in der vergangenen Woche die Literaturwissenschaftlerin Ursula Renner-Henke auf einer von ihr initiierten Tagung im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Das Thema: Die Gurlitts. „Eine Gelehrtendynastie zwischen Kunst und Wissenschaft“. Es ging also um jene Familie, deren letzter Spross Cornelius (1932-2014) - als solcher galt er auf dieser Tagung, wenngleich sich alle bewusst waren, dass es noch Nachfahren gibt - vor zwei Jahren weltweit unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt hatte, weil in seiner Münchner Wohnung und später in seinem Haus in Salzburg mehr als 1500 Kunstwerke entdeckt worden waren, von denen viele der NS-Raubkunst zugerechnet werden können.

          Über die meisten anderen Mitglieder der mindestens bis ins achtzehnte Jahrhundert zurückreichenden Familie ist in der Öffentlichkeit dagegen nur wenig oder gar nichts bekannt. Man hoffte also in Marbach, Antworten zu erhalten auf die Frage, was das denn eigentlich für eine Familie war, aus der Cornelius und sein Vater, der Kunsthändler Hildebrand (1895-1956), der dem Sohn das schwer belastete Erbe vermacht hatte, stammten.

          Welchem Muster folgt die Familiengeschichte?

          Der Verweis auf Thomas Manns Buddenbrooks legte nahe, dass es in der Sache Gurlitt tatsächlich um mehr gehen könnte als um die Geschichten einzelner Familienmitglieder. So setzte man sich zu Beginn der Tagung denn auch mit sogenannten Familiennarrativen auseinander, damit also, wie und nach welchem Muster sich die Geschichte einer Familie über Generationen hinweg verstehen und erzählen lässt. Im Fall der Buddenbrooks etwa als die des allmählichen Niedergangs. Der letzte Erbe Hanno ist zu zart und schwächlich, die Tradition fortzuführen. Für die Gurlitts nun sei es, so die Literaturwissenschaftlerin Anna Kinder, abgesehen davon, dass es sich hier ja um eine reale Famile handelt, mit einem spezifischen Narrativ ein wenig schwierig. Da wollte man sich erst einmal nicht festlegen. Zu verzweigt, zu viele Wirkungsorte und vor allem: kein einheitliches Projekt, wie im Fall der Buddenbrooks das Lübecker Handelshaus.

          Zwar sind viele Mitglieder des Gurlitt-Clans, wie bei der Marbacher Tagung in Einzellstudien gezeigt wurde, mit teilweise bemerkenswerten Leistungen aufgefallen, jedoch in ganz unterschiedlichen Bereichen. Da gab es den aufgeklärten Gymnasialdirektor Johann Gottfried (1754-1827), der an der Hamburger Lateinschule des „Johanneums“ das Abitur einführte, den Landschaftsmaler Louis (1812-1897), der heute allerdings nahezu vergessen ist, den Husumer Bürgermeister und Mundartdichter Emanuel (1826-1896), der „en plattdütsch Lustspill“ veröffentlichte, den Kunsthistoriker Cornelius (1850-1938), der eine monumentale Geschichte des Barocks verfasste, oder den Reformpädagogen Ludwig (1855-1931), aus dessen Klassenzimmer die Wandervogelbewegung in die Welt zog.

          Die Gurlitts im Nationalsozialismus

          Zuletzt dann kam man zu den jüngeren Nachfahren, die noch im Kaiserreich zur Welt gekommen waren und von denen die meisten erst nach dem Zweiten Weltkrieg starben. Hier immerhin zeichneten sich gewisse Gemeinsamkeiten ab. Es ging um Willibald (1889-1963), den Musikwissenschaftler, der tatkräftig deutschnational, ja nationalsozialistisch gefärbte Texte publizierte, dann jedoch 1937 seines Amtes als Professor an der Universität Freiburg enthoben wurde, weil er wegen seiner jüdischen Großmutter nach der NS-Rassenideologie als Vierteljude galt und zudem mit einer Jüdin verheiratet war.

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