26.10.2004 · Es soll ja auch schon Kunstmessen vor der Erfindung des Handys gegeben haben, aber das kann auch ein Gerücht sein. Zunehmend wird es als subtiles Instrument der Selbstverteidigung eingesetzt.
Von Amelie von Heydebreck und Florian IlliesEs soll ja auch schon Kunstmessen vor der Erfindung des Handys gegeben haben, aber das kann auch ein Gerücht sein. Denn wenn man sich umblickt im hektischen Treiben vor allem bei der Preview, der Pre-Preview und natürlich vor allem der Pre-Pre-Preview, dann ist, kurz hinter dem Auge, das Handy zum wichtigsten Arbeitsinstrument geworden, Sammlerfamilien wie die Rubells etwa oder auch Michael Ringier und seine Beraterin Beatrix Ruf können so in unterschiedliche Richtungen loseilen, um sich dann spontan zusammenzurufen und ebenso spontan zuzuschlagen.
Auch kann man sich mit dem Handy schnell vom Büro durchgeben lassen, ob das Bild, das hier gerade für soundso viel angeboten wird, nicht vor drei Jahren bei Philipps in New York für nur soundso viel in eine amerikanische Sammlung ging. Und vor allem, und das ist das schöne, wird das Handy zunehmend als ein subtiles Instrument der Selbstverteidigung eingesetzt: Es ist schön zu beobachten, wie immer wieder Sammler hektisch zum Handy greifen, obwohl es gar nicht geklingelt hat.
Aber so können sie so tun, als müßten sie gerade ein ganz wichtiges Telefonat führen - und können dem Handschlag mit dem lästigen Galeristen oder dem anstrengenden Small talk mit dem Fundraiser entgehen, den sie gerade noch rechtzeitig erspäht hatten.
Amelie von Heydebreck und Florian Illies
sind Herausgeber von "Monopol. Magazin
für Kunst und Leben".