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Suhrkamp Zum Abschied eine Leiche

05.03.2009 ·  Was hinterlässt Suhrkamp, wenn es nach Berlin zieht? Auf jeden Fall eine Krimi-Reihe, verspricht Geschäftsführer Thomas Sparr im Frankfurter Literaturhaus. Auch einige Mitarbeiter? „Jeder Einzelne muss mit“, sagt Sparr. Doch gedanklich scheint er den Umzug noch nicht realisiert zu haben.

Von Sandra Kegel
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Als Buhmann freut man sich über warme Worte. Holger Ehling, als früherer Sprecher der Frankfurter Buchmesse vertraut mit Gegenwind bei unerwünschten Umzugsplänen, begrüßte Suhrkamp-Geschäftsführer Thomas Sparr strahlend als „zweiten Verbrecher“ im Saal. Sparr, der bekennende Wahlberliner, war am Mittwochabend ins Frankfurter Literaturhaus gekommen, um Ehling in der Reihe der „Verlegergespräche“ Rede und Antwort zu stehen. Konkret ging es dann eher darum, den Umzugsbeschluss des Verlags nach Berlin Ende des Jahres zu verteidigen.

Man sah Sparr an, dass das keine leichte Aufgabe war. Die Stimmung im vollbesetzen Haus glich der einer Gerichtsverhandlung: Frankfurter Bürger und Suhrkamp-Mitarbeiter sahen dem sonst so eloquenten Verlagsmenschen zu, wie er um Worte rang. In dieser skurril anmutenden Folge der Suhrkamp-Soap jagte ein Versprecher den nächsten. Sparr sagte immerzu „Frankfurt“, wenn er Berlin meinte, Ehling verwechselte Siegfried Unseld mit dessen Sohn Joachim, und auf die Frage, was er an Berlin so schätze, meinte Sparr, das sei eben „die einzige geteilte Stadt in Europa“. Da wollte der Gequälte sich aber schon nicht mehr korrigieren, sondern die Sache hinter sich bringen.

„Jeder Einzelne muss mit!“

Fragen aus dem Publikum waren entgegen der Tradition an diesem Abend strikt verboten. So konnte der Geschäftsführer denn auch unwidersprochen verkünden, dass wohl „alle Lektoren und leitenden Angestellten“ nach Berlin mitgingen. Unmutsäußerungen im Saal zeigten, dass es darüber geteilte Auffassungen gibt: Ende des Monats, so ist zu hören, rechnen die Mitarbeiter mit den schriftlichen Änderungskündigungen. Erst danach könne man überhaupt verhandeln. Während viele davon ausgehen, dass der Verlag sich mit dem Umzug auch verkleinern will, flötete Sparr jetzt: „Jeder Einzelne muss mit!“ Die Mitarbeiter seien doch das „Gedächtnis des Verlages“.

Wenn nun aber Suhrkamp, wie es aus den unteren Etagen der Lindenstraße heißt, tatsächlich bis zu drei Viertel der Belegschaft über den Umzug verlieren sollte, droht akute Vergesslichkeit. Die Berliner Luft muss jetzt für frischen Wind sorgen. Technisch will man schon bald auf Hauptstadt-Höhe sein, mit „Brecht auf dem Laptop“ oder „Anthologien fürs Handy“. Und sogar unterhaltend will man werden: in Gestalt einer neuen Krimireihe. Ein erster Titel heißt „Kalter Main“. Daraus könne eine ganze Frankfurt-Reihe werden, jubelte Sparr. Wie reizend: zum Abschied eine Leiche. Mindestens.

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Jahrgang 1970, Redakteurin im Feuilleton.

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