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Suhrkamp-Konflikt Weiche, Satan!

Bleistift gegen grobe Keule: Auch Suhrkamp-Autor Peter Handke mischt sich unter die Kritiker des Investors Hans Barlach. Sonderlich subtil geht er dabei nicht zu Werke.

Mit seinem neuesten Buch hatte Peter Handke sich die Hände nicht schmutzig gemacht. Und das war eine Kunst, geht es darin doch um einen „Versuch über den Stillen Ort“, vulgo Toilette (F.A.Z. vom 11. Oktober). Da hieß es, subtil drumherum zu reden, und das gelang vortrefflich. Jetzt aber hat Handke einen Schauplatz betreten, auf dem es alles andere als still zugeht: Der gerade siebzig Jahre alt gewordene Schriftsteller erhebt im fernen Paris die Schreibhand, darin liegt ein sprechender Bleistift der Stärke HB, und der weist seinen Handhaber an, einmal besonders verständlich zu schreiben, was Handke getan zu haben behauptet.

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Das Resultat ist in der heute erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ nachzulesen: ein neuer Versuch - über den bösen Mann. Aber diesmal macht Handke sich die Hände schmutzig. Der böse Mann, um den es geht, ist Hans Barlach, aber das sagt Handke nicht. Auch ihn kürzt er nur mit „HB“ ab. Barlach schickt sich bekanntermaßen an, Handkes Verlag, Suhrkamp, zu übernehmen oder zu zerstören. Das ist fürwahr kein feiner Zug von ihm.

Aufgeblasen prall des bösen Willens

Ist Barlach jedoch deshalb gleich, wie Handke formuliert, „ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser, ein Unhold“? Natürlich führt hier eher das Sprachgefühl dem Dichter das Wort als Mitgefühl: Unhold und Unseld - besser kann man den Gegensatz ja gar nicht stabreimen lassen. Und dann die ständige Rede von „HB“. Wer sähe den Minderheitsgesellschafter da nicht gleich in die Luft gehen? Doch nein, der Mann ist vielmehr ein Unterirdischer, Gewürm. Er wühle, so schreibt Handke, „im Boden des Rechts, lässt darin wühlen die Horde der schwerbezahlten Mit-Unholde“, mit denen ja nur die Anwälte gemeint sein können, die Suhrkamp sich aber auch leistet (und das mutmaßlich nicht für knappes Zeilengeld).

Unhold, Wühler, Auftraggeber von weiteren Wühlern, „voll, prall, aufgeblasen prall des bösen Willens“, „Feind“, „Satan“ - Handke hat den Bleistift gegen die grobe Keule getauscht. Kein Wunder, dass zum Schluss sein HB wieder die Regie übernimmt und anbietet, dass Handke das Drama „Der blaue Boll“ von Ernst Barlach, dem Großvater des Investors, ins Französische übersetzte, wenn der andere HB dann einen neuen Verlag dafür gründete und von Suhrkamp abließe. Im „Blauen Boll“ geht es um die Läuterung eines Kaufmanns. HB soit qui mal y pense.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.12.2012, 16:30 Uhr

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Von Andreas Platthaus

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