22.10.2008 · Laut einer Studie schrecken 18.000 Abiturienten vor dem Studium zurück, weil es ihnen zu teuer geworden ist. Eine bequeme Ausrede, meint Jürgen Kaube. In den neuen Bundesländern lässt es sich ganz umsonst studieren. Es will nur keiner den Umzug dorthin in Kauf nehmen.
Von Jürgen KaubeEine Umfrage von Hochschulforschern hat ergeben, dass 18.000 Abiturienten des Reifejahrgangs 2006 vor einem Studium zurückgeschreckt sind. Es sei ihnen zu teuer, die Studiengebühren seien schuld. Noch, heißt es, werde die Studie, die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erfolgte, nicht veröffentlicht. Denn ihre Befunde sollten den gerade stattfindenden Bildungsgipfel nicht belasten. So gerne man hier Näheres über das Ausmaß an taktischem Verhalten im Hause Schavan wüsste, so wenig versteht man, wovor sich das Ministerium eigentlich zu fürchten hätte. Ergab doch die nämliche Untersuchung, dass es keine nennenswerten Wanderungsbewegungen in Bundesländer gibt, in denen keine Studiengebühren erhoben werden.
Vor allem ostdeutsche Hochschulen teilen mit, dass an ihnen noch jede Menge unbelegter Studienplätze vorhanden sind. Wie aber soll man das verstehen? In Jena, Magdeburg oder Greifswald zahlt der normale Student keine Gebühren. Die Lebenshaltungskosten sind dort notorisch niedrig. Städte wie Leipzig oder Dresden können es an Lebensqualität mit vielen westdeutschen Universitätsstandorten aufnehmen. Und der Quotient von Professoren und Studierenden ist dort oft um ein Vielfaches höher als im Westen.
Wenn es nun also tatsächlich die Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Baden-Württemberg sein sollten, die am Studium hindern, wie kommt es dann, dass die Wanderung gen Osten ausbleibt? Steckt also hinter der 18 000-mal gegebenen Antwort, die Gebühren schreckten vom Studium ab, in Wahrheit der Unwille, von zu Hause wegzuziehen? Erstreckt sich das Verlangen nach Bildungsgerechtigkeit durch Abschaffung von Studiengebühren in erster Linie auf eine staatliche Subventionierung von Immobilität? Wie groß muss man sich den Durst nach Erkenntnis vorstellen, wenn er mit der Entfernung vom Heimatort rapide abnimmt? Das Wichtige am Universitätsstudium, so hat vor zweihundert Jahren der Philosoph Fichte formuliert, sei, dass es die Studenten aus der Enge ihrer heimischen Verhältnisse herausreiße: räumlich wie intellektuell. Wem der Sinn danach nicht steht, hat sich schon deshalb nichts vorzuwerfen, weil die heimischen Verhältnisse ja nicht eng sein müssen. Aber er soll auch nicht andere Gründe vorschützen und sich als Opfer stilisieren. Niemand muss studieren, und mit Abitur einen Ausbildungsberuf zu ergreifen schadet weder dem Standort noch der Wissensgesellschaft. Aber jeder kann hierzulande gebührenfrei studieren. Einen Anspruch darauf, es in Bonn, München oder Freiburg tun zu können, gibt es nicht.
Erschreckend...
Fritz Sonnendeck (poloman)
- 21.10.2008, 18:35 Uhr
... und es sind doch finanzielle Gründe!
Sebastian Pahnke (sepah)
- 21.10.2008, 18:42 Uhr
Selektion
Hans Czinzoll (domit)
- 21.10.2008, 19:00 Uhr
Scheinbar sind alle Kommentatoren weit weg vom Studierendenalter
Herwig Hahn (cyran)
- 21.10.2008, 22:05 Uhr
@Hahn: Wenn man keine Ahnung hat...
Sebastian Pahnke (sepah)
- 22.10.2008, 00:56 Uhr