03.12.2009 · Die Vorstellung von Studenten und Professoren, die sich ganz dem Erkenntnisgewinn in der Universität widmen, ist obsolet geworden. Entsprechend wird die Universität zum Schauplatz von Grabenkämpfen. Die polizeiliche Räumung an der Frankfurter Goethe-Universität ist das beste Beispiel.
Von Jürgen KaubeDer Rektor der Universität Luzern, Rudolf Stichweh, hat kürzlich vom „Ende der Gemeinschaft“ an den Hochschulen gesprochen. Die Universität könne nicht mehr, wie jahrhundertelang, als communitas mit gemeinsamen Interessen der Lehrenden und Lernenden angesprochen werden. Das ganze Kontrollwesen, das sich in ihr breitgemacht hat – Evaluationen, Akkreditierungen, Publikationsmessungen und Nachahmungen des Qualitätsmanagements –, spricht dagegen. Der Rückzug vieler Professoren in die Forschung sowieso.
Der Rückzug vieler Studenten aus der Lektüre auch, vor allem aber die Tatsache, dass viele von ihnen weit über das Erfordernis der Studienfinanzierung hinaus während des Studiums arbeiten. Die Vorstellung von Studenten und Professoren, die sich ganz dem Erkenntnisgewinn in der Universität widmen, ist obsolet geworden. Entsprechend wird die Universität zum Schauplatz von Versuchen aller an ihr Beteiligten, die eigenen Vorstellungen von dem durchzusetzen, wozu sie gut sein soll. Das dokumentiert auch der gegenwärtige Bildungsstreik. Man übertreibt, weil viele gar nicht miteinander sprechen möchten, sondern übereinander und zur Öffentlichkeit.
Bierkästen als Requisit von Bildungsforderungen
Die einen übertreiben ihre Bereitschaft, an den Zuständen in der Universität etwas ändern zu wollen. Denn weder Minister noch die Mitglieder der Hochschulrektorenkonferenz glauben ja, dass sie wirklich etwas falsch gemacht haben. Also spielt man Betroffenheit durch die Proteste. Bei den Protestierern wiederum gibt es viele, die ihre Betroffenheit, durch „Leistungsdruck“ und mangelnde Betreuung, auch nur spielen. Die durchgriffsstarke polizeiliche Räumung an der Frankfurter Goethe-Universität ist das beste Beispiel.
Was Studenten, die besseren Studienbedingungen das Wort reden, dazu bringt, Hörsäle zu ramponieren, Wände zu besprühen und leere Bierkästen als Requisit von Bildungsforderungen aufzubieten, ist unerfindlich – es sei denn, sie meinten es gar nicht ernst. So werden die begründbaren Klagen über die Studienreform diskreditiert, nur damit das Frühstücksfernsehen Bilder bekommt. Sollte die Polizei zu scharf vorgegangen sein, kann sich der Rechtsstaat damit beschäftigen. Aber wer verarbeitet auf Seiten der Demonstranten die Dummheit, sich von Sachbeschädigung und Radau etwas zu versprechen?