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Streisands Comeback Babs ohne Bühne

 ·  Barbra Streisand hat vor drei Jahren aufgehört, ihre Fans in Arenen wie dem Madison Square Garden live zu besingen. Vom ewigen Lampenfieber hatte sie einfach genug. Umso genialer brachte sie für ihr neues Album die Werbetrommel zum Singen. Ihr Credo: Small is beautiful.

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Heute, Dienstag, kommt ihr neues Album „Love Is the Answer“ heraus. Schon mal rein geschäftsmäßig ist dafür Stimmung zu machen. Aber wie? Barbra Streisand hat vor drei Jahren aufgehört, ihre Fans in Arenen wie dem Madison Square Garden live zu besingen. Vom ewigen Lampenfieber hatte sie einfach genug, und außerdem sind sie und ihre Stimme jetzt auch schon siebenundsechzig Jahre alt. Deshalb war, wie sie diesmal die Werbetrommel zum Singen brachte, richtiggehend genial. Ihr Credo zum Anlass lautete: Small is beautiful.

Also stieg sie am Wochenende hinab in das enge, winzige Kellerlokal in Greenwich Village, in dem sie vor genau achtundvierzig Jahren ein paar Songs singen durfte, bevor Miles Davis das Hauptprogramm bestritt. Ein Abend wie viele im „Village Vanguard“, dem legendenumrankten New Yorker Jazzclub, in dem sich, wie an der Wand zu lesen ist, nicht mehr als 123 Personen, Kellner inbegriffen, zur selben Zeit aufhalten dürfen. Bei der Streisand waren es jetzt noch weniger, weil auch für ein paar Videokameras Platz sein musste, und nachdem die Clintons samt Tochter sowie Busenfreundinnen wie Nicole Kidman und die Modedesignerin Donna Karan untergebracht waren, blieben für das Konzert der Frau, die in ihrem Leben so um die 71 Millionen Alben allein in ihrem Heimatland verkauft hatte, noch genau 74 Plätze.

Erholung und Erlösung

Die wurden verlost, und folglich war das Konzert sowohl irre exklusiv als auch, wie es bei einer glühenden Anhängerin und Geldgeberin der Demokraten nicht anders sein sollte, tadellos demokratisch. Selbst Altbürgermeister David Dinkins war gezwungen, sich neben anderen Mitgliedern der New Yorker Hochprominenz mit einer Videoübertragung im pseudoaristokratischen Louis XVI Room des Waldorf Astoria zu begnügen.

Dem Auftritt, angekündigt unter dem unmissverständlichen Titel „Once in a Lifetime“, kann eigentlich nur die Legendenbildung folgen. Unter den zwölf Songs, die Babs aus Brooklyn zum Besten gab, befanden sich, so viel scheint sicher, auch ihre Evergreens „Evergreen“ und „The Way We Were“, aber überhaupt muss der Abend eine einzige Übung in Nostalgie gewesen sein, ein Blick zurück durch feuchte Augen auf ihre frühen Tage als Clubsängerin, die zwischen melancholisch swingendem Jazz und butterweichem Pop nach ihrem Weg in die Weltkarriere suchte. Für die bis heute vom Lampenfieber geplagte Sängerin war es aber auch eine Erholung und Erlösung. Dort, wo es fast keine Lampen gebe, soll sie ihrer Fangemeinde versichert haben, sei es schwer, Lampenfieber zu bekommen: no stage, no stage fright. Zum Glück für uns alle hat sie das erst jetzt entdeckt.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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