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Strauss-Kahn schweigt : Nieder mit der Schwerkraft!

  • -Aktualisiert am

„Wir sind alle Zimmermädchen”: Slogan bei der Demonstration gegen Sexismus am gestrigen Sonntag in Paris Bild: dapd

Vergangene Woche mit DSK: Es geht um Vergewaltigung - nicht um Erotik, Libertinage und das ganze dumme Ohlala. Deshalb staunt man schon darüber, wie dreist Frankreichs Sozialisten den Mann zum Opfer erklären.

          Dominique Strauss-Kahn schweigt zu den Vorwürfen, wie er bis zuletzt zu seinen politischen Ambitionen geschwiegen hatte. Das Schweigen, das ihn nun verschlingt, ist auf sonderbare Art schon lange sein Begleiter gewesen, denn wenn in Paris die Rede auf ihn kam, in gut informierten Kreisen, dann flog immer ein Engel der Enttäuschung durch den Raum, und alle wurden still.

          Das Jammern über den zunehmend anstrengenden Präsidenten war mit dem Verweis auf die guten Chancen von Strauss-Kahn nie zu beenden. Welchen Insider man auch auf Président Strauss-Kahn ansprach, es gab immer nur die eine Reaktion: Wäre schön - aber sein Intimleben macht eine Wahl unmöglich.

          Damit waren keine außerehelichen Affären gemeint, sondern dunklere Geschichten. Manchmal kam dann die Rede auf seine Teilnahme an Massenunzuchtsveranstaltungen, den „partouze“, eine feste Größe der nationalen Folklore seit mindestens zwei Jahrhunderten, selbst Bilder gebe es davon - naturgemäß scharfe. Noch vor wenigen Wochen erklärte mir ein bestens vernetzter Kollege des „Figaro“, der den IWF-Chef durchaus schätzte, in Frankreich gehe ja vieles, aber ein partouzard als Präsident, das gehe halt nicht.

          Dominique Strauss-Kahn, den jetzt alle DSK nennen, am 15. Mai in New York beim Verlassen des Polizeihauptquartiers
          Dominique Strauss-Kahn, den jetzt alle DSK nennen, am 15. Mai in New York beim Verlassen des Polizeihauptquartiers :

          Handlungsreisender in Sachen Geld

          In dem im März auf Canal Plus ausgestrahlten Dokumentarfilm „Ein Jahr mit DSK“ erleben wir den Direktor des IWF als wortkargen Mann. Die Regeln der internationalen Organisation verbieten es dem Chef, sich zu politischen Fragen zu äußern, also bemüht sich der erkennbar wohlwollende Film, sprechende Bilder zu finden, und scheitert. Man sieht einen freundlichen, aber rast- und ratlosen DSK, der sich selbst als Handlungsreisenden beschreibt und in einem Jahr zigfach den Globus umrundet, um das Geld der Welt zu verteilen.

          Man sieht die Finanzminister von Pleitestaaten, wie sie gedemütigt in seinem Vorzimmer warten. Man sieht ihn in Afrika, wie er fordert und fördert. In der einzigen interessanten Szene des Films verrät DSK seinen Trick, um Anzüge zu entknittern: Auf einen Bügel hängen, den im Badezimmer vor der Dusche befestigen, Vorhang zuziehen und das heiße Wasser anstellen. Der Dampf nebelt alles ein und bügelt den Anzug, freut sich der Politiker, während seine Frau ihn anstrahlt, ganz gerührt über so viel Fertigkeit in Hotels.

          Heute sieht man diese Szene anders: Diese Technik bietet den perfekten Vorwand, nackt durch die Suite zu tigern, während das Geräusch des laufenden Wassers eintretenden Angestellten suggeriert, der Mann sei unter der Dusche geparkt.

          Die Rezeptionistin lehnte dankend ab

          Aufgrund der seit einer Woche von den Ermittlungsbehörden bekanntgegebenen Details fällt es schwer, dem Opfer nicht zu glauben. Nur in einem kalifornischen Pornofilm fallen der stämmige, 62-jährige Hotelgast und eine halb so alte, alleinerziehende Mutter, die noch eine Riesensuite sauber zu machen hat, in spontaner Gier übereinander her. Doch nicht mal im Film ist dann noch genügend Zeit, sich derart zu entzweien, dass die Frau nach der Polizei rufen lässt, denn es waren nur 28 oder 29 gemeinsame Minuten.

          Während die Version der Frau stetig blieb und den Prüfungen durch spezialisierte und routinierte Polizeibeamte standhielt, wechselte Strauss-Kahns Geschichte von einem angeblichen Alibi, jenem Mittagessen mit der Tochter, von dem die Ermittler heute glauben, es habe nie stattgefunden, zur Geschichte von coup de foudre und amour fou, die sogleich in einer einvernehmlichen sexuellen Begegnung ausagiert wurden. Bereit für eine neue Beziehung muss er gewesen sein, denn unterdessen wurde bekannt, dass DSK am Abend zuvor die Rezeptionistin des Hotels angerufen und auf ein Glas hinaufgebeten hatte, was die aber dankend abgelehnt hat.

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