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Strände von Cape Cod : Hai-Life

In dieses Wasser traut sich momentan niemand: einer der Strände von Cape Cod Bild: AP

Als vor Cape Cod „Der weiße Hai“ gedreht wurde, gab es dort gar keine Exemplare dieser Spezies. Das hat sich geändert – und das Strandverhalten auch.

          Es geht wieder los. Menschen stehen am Strand, schauen neugierig auf die Wellen, und niemand traut sich ins Meer. Dabei zeigt sich Cape Cod, die beliebte Ferienregion der amerikanischen Ostküste, gerade jetzt von ihrer schönsten Seite. Unter strahlender Sonne ziehen sich über viele Kilometer die Sandstrände entlang der hakenförmigen Halbinsel. Azurblaues Wasser lockt zur Abkühlung, doch die Familien verharren unter den Sonnenschirmen, selbst die Hunde rennen nur am Küstenstreifen hin und her. Grund für die Wasserphobie ist der neue Mitbewohner von Cape Cod: Carcharodon carcharias – auch bekannt als Weißer Hai.

          Als Steven Spielberg 1975 hier den Film „Jaws“ drehte, der ein Jahr später im Kino die Mythologie des angeblichen Monsters aus der Meerestiefe prägte, war das noch Fiktion. Weiße Haie gab es früher vor Cape Cod nicht. Inzwischen hat die Realität Spielbergs Phantasie eingeholt. Im Jahr 2009 siedelte sich eine Kolonie aus mindestens zweihundert Great White Sharks hier an – zur großen Freude der Meeresbiologen. Der Besucher hingegen fühlt sich in jenes fiktive Örtchen Amity zurückversetzt, das sich für immer mit der nur aus zwei Tönen bestehenden Filmmusik verbindet. Die Neuankömmlinge im Meer befeuern bei Urlaubern wie Hoteliers Neugier und Angst gleichermaßen. Einerseits floriert der Hai-Tourismus: Kein Souvenirladen, der nicht T-Shirts und Tassen mit Flossenemblem anböte. Am Strand hingegen mahnen Baywatcher auf hölzernen Hochstühlen alle hundert Meter zur Vorsicht, und Schautafeln verbieten das Baden in der Nähe von Robben.

          Diese Tiere sollen überhaupt der Grund für das Auftauchen der Haie sein. Vor ein paar Jahren unter Artenschutz gestellt, hat sich ihre Population so drastisch erhöht, dass der Küstenstreifen den Haien wie eine gedeckte Tafel erscheinen muss. Denn Robben haben sie zum Fressen gern. Noch hat keiner der Raubfische hier bisher einen Menschen mit einer Robbe verwechselt, doch das sei nur eine Frage der Zeit, sagen die Menschen auf Cape Cod – und bleiben dennoch gelassen. Dafür sorgen Shark-Center, die darüber informieren, dass den jährlich vereinzelten Hai-Opfern weltweit im selben Zeitraum Millionen getötete Haie gegenüberstehen. Und man ist auch stolz, so unverhofft zum wichtigen Forschungsstandort für eine Art geworden zu sein, über die man noch immer nur wenig weiß. Vor allem aber könnte Cape Cod zur Chance für die Evolutionsgenies selbst werden, die Hunderte Millionen von Jahren überlebt haben und nun vom Aussterben bedroht sind. Je nachdem, wie sich die Badeorte hier verhalten, könnten sie die Legende von „Jaws“ widerlegen.

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