Home
http://www.faz.net/-gqz-2u3k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Stichwort Islam - Ausbreitung, Spaltung, Neuorientierung

24.09.2001 ·  Seit den 70er Jahren ist ein neuartiger politischer Islam als übernationale Einheitsideologie entstanden.

Artikel Lesermeinungen (0)

Rund 1,2 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum Islam, dem arabischen Begriff für „Hingabe“. Er ist die jüngste der drei großen monotheistischen Weltreligionen, die den unbedingten Glauben an einen einzigen Gott fordern.

Anhänger des Islam gibt es in nahezu allen Staaten der Erde. Islamisch geprägte Staaten finden sich vor allem in Nordafrika, Zentral- und Westasien sowie auf den indonesischen Inseln.

Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod

Seinen Ursprung hat der Islam in den Offenbarungen, die der um das Jahr 570 nach Christus in Mekka geborene und 632 in Medina
gestorbene Prophet Mohammed vom Engel Gabriel empfangen haben will. Fundament des Glaubens ist der Koran mit seinen 114
Kapiteln (Suren). Darüber hinaus ist auch die Bibel für die Moslems ein heiliges Buch. Wie die Christen glauben sie an ein Weiterleben nach dem Tod, an eine Hölle und an ein Paradies. Zu den so genannten fünf Säulen des Islam gehören das Bekenntnis zu Allah als dem einzigen Gott und zu Mohammed als seinem Propheten, das tägliche mehrmalige Gebet, das Almosen Geben, das Fasten und das Pilgern nach Mekka.

Spaltung des Islam in Schiiten und Sunniten

Innerhalb des Islam gibt es verschiedene Glaubensrichtungen: Die große Spaltung der islamischen Gemeinde (Umma) in Schiiten und
Sunniten geht auf die Ermordung des dritten Nachfolgers Mohammeds, des Kalifen Uthmann, zurück. Gegen den vierten Kalifen Ali, den Schwiegersohn des Propheten, erhob sich erfolgreich der Statthalter Syriens, der Gründer der Umayyadendynastie. Seitdem sehen sich die Schiiten, denen derzeit rund zehn Prozent der Muslime weltweit angehören, in der Nachfolge Alis, während nahezu 90 Prozent der Muslime der sunnitischen Richtung angehören. Schiiten leben vor allem im Iran, wo diese Form des Islam seit dem 16. Jahrhundert Staatsreligion ist, sowie im Irak, in Syrien und Pakistan.

Verknüpfung von Politik, Religion und Alltagsleben

Typisch für den Islam ist eine enge Verknüpfung von Politik, Religion und Alltagsleben. Der Koran ist weltliche und religiöse Schrift zugleich, die Umma religiöse und politische Gemeinde. Noch im siebten Jahrhundert verbreitete der Islam sich rasch in Arabien und Nordafrika, im achten Jahrhundert eroberten die Mauren Spanien. Bis ins 17. Jahrhundert stießen die muslimischen Türken immer wieder über Ungarn und den Balkan bis nach Mitteleuropa vor und belagerten beispielsweise 1683 erfolglos Wien.

Derzeit gewinnt der Islam vor allem in Afrika und in den mittelasiatischen Staaten der früheren Sowjetunion an Einfluss. Wesentlich zum Selbstbewusstsein dieser neuen Islamisierung hat die Machtübernahme von Ayatollah Chomeini im Iran im Jahr 1979 beigetragen.

Seit den 70er Jahren ist ein neuartiger politischer Islam als übernationale Einheitsideologie entstanden. Die Bewegung richtet sich vor allem gegen die früheren Kolonialstaaten und die westlichen Leitideen von Individualismus, Trennung von Staat und Kirche sowie die liberale kapitalistische Wirtschaftsordnung und den Lebensstil in den Industriestaaten.

Gleichzeitig gewann in der gesamten islamischen Welt der Fundamentalismus an Einfluss. Sein Ziel ist die weltweite Durchsetzung der Einheit von Politik und Religion auf der Grundlage des islamischen Rechts, der „Scharia“.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr