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Sterne-Gastronomie Das letzte Mahl

25.02.2009 ·  Am Wochenende erscheint der neue Guide Michelin, und einer seiner Besten ist nicht mehr dabei. Drei-Sterne-Koch Marc Veyrat hat seine Sterne aus gesundheitlichen Gründen zurückgegeben. Seinen Kampf gegen das schlechte Essen will er weiterführen, mit einem Fast-Food-Restaurant.

Von Jürg Altwegg
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Wieder erlischt ein Stern. Marc Veyrat wirft das Handtuch, drei Jahre nach seinem Skiunfall in Megève. Auf der Piste war er mit seiner Tochter zusammengestoßen, die damals für die Nachspeisen aus seiner Küche verantwortlich war. Auf dem Höhepunkt der Karriere bekam Marc Veyrat, der die Kräuter für seine Kreationen selbst sammelte, sowohl für das Zweitrestaurant in Megève wie für seine „Auberge de l’Eridan“ bei Annecy maximale Anerkennung. Wir hatten schon bei ihm gegessen, als noch keine Gabel, Mütze oder gar Stern seine Affiche zierten, und seinen Aufstieg am Firmament der Gastronomie verfolgt. Parallel dazu stiegen die Preise in astronomische Höhen.

Trotzig feierten wir bei Veyrat einen Überlebenden nach dessen Operation. Den Fünfzigsten. Und manchmal auch nur das Leben an sich. Es werden die kulinarischen Sternstunden einer auch in dieser Hinsicht erfüllten Existenz bleiben. Das letzte Mal war vor gut einem Jahr. Auf Krücken humpelte der Meister durch sein Lokal. Hilflos hantierte er mit einer Bonbonnière, aus der Trockeneis oder irgendeine exzentrische Spécialité der molekularen Küche quoll. Es war sein Beitrag zum Abend. Der Magier der Kochtöpfe als trauriger Clown, über den niemand lachen mag. Unschuldig fragte der ahnungslose Gast am Nebentisch: Wann kommt der Gips weg? Es sei alles viel komplizierter und richtig schlimm, beschied ihn der müde Meister.

Kampf dem schlechten Essen

Früh zog er sich zurück. Im Nachhinein bleibt die vage Erinnerung, dass sich die Kellner schon zuvor hinter seinem Rücken über ihn lustig gemacht hatten. Der treue Pakistani erzählte uns, dass sich Veyrat partout nicht behandeln lasse wolle. Die viel schwerer verletzte Tochter sei längst wieder auf den Beinen. Inzwischen hat sie sich selbständig gemacht. Es war eine gespenstische Szene. Praktisch über Nacht hatten wir einen Tisch bekommen können. Das Winterrestaurant in Megève war bereits geschlossen und auch am Ufer des lieblichen Sees die Redimensionierung nicht zu übersehen.

Jetzt will Marc Veyrat zunächst einmal für ein paar Monate in die Klinik. Er sagt auf Wiedersehen und weiß genau, dass in der Drei-Sterne-Küche wie beim Boxen ein Comeback schwer ist. Seinen Kampf gegen das schlechte Essen aber werde er weiterführen, verspricht er. Und kündigt ein Fast-Food-Restaurant an. Bis zuletzt hat der Mythos Gourmets in seinen Tempel gelockt. Jetzt wurde das Geheimnis öffentlich. Am Wochenende erscheint der neue Guide Michelin. Auf dem neuesten Stand. Im Voraus hatte Marc Veyrat seine Sterne zurückgegeben. Die Adresse ist gestrichen.

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