09.01.2011 · Er kämpfte in der französischen Résistance, war später Diplomat und weiß die republikanischen Ideale hochzuhalten. Und seit kurzem ist Stéphane Hessel auch Autor eines schmalen Bestsellers: Auszüge aus seinem Pamphlet „Empört euch!“, das Frankreich bewegt.
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"Vergleichen Sie einmal Autor, Problemdiagnose und..." @Jonas Amazonas
und Handlungsmaxime".
OK, hier ein eingeschränkter Vergleich:
Hessel: Nicht-analytischer Wirrkopf, unstrukturiert, selbstgerecht, unbelesen/unwissend in Bezug auf wesentliche Teile dessen, worüber er schreibt, falsche Aussagen, usw., unterm Strich kein wirklicher Diskussionsbeitrag, Aufruf zu diffuser, unbegründeter Empörung
Sarrazin: Analytisch, sehr detailliert, sehr zahlenorientiert, selbstgerecht, z.T. überschiessend, sehr konsequent, nicht taktierend, (moralische) Überbewertung der (gemessenen) Intelligenz, usw., Aufruf zu präzisem, kennzahlenbasiertem, überprüfbarem Handeln
Sehr unterschiedliche Charactäre einerseits, z.T. aber sehr ähnlich.
Der Knackpunkt ist folgender: Hessel können Sie in wenigen Minuten zu grossen Teilen widerlegen; Sarrazin dagegen auch nach Monaten zu grossen Teilen nicht. Zwar har er keineswegs zu 100% Recht und auch seine Folgerungen / Forderungen sind keineswegs so zwangsläufig oder tauglich, wie er meint.
Aber wie gesagt, auch nach X Monaten hat es niemand glaubhaft geschafft, ihn zu widerlegen oder funktionierende Alternativen aufzuzeigen.
93 Jahre und noch immer pubertär.
Nein, mit dieser Diagnose/Meinung soll kein politisches Programm ausgedrück/abgelehnt/befürwortet werden. Jeder einigermaßen vernunfbegabte Mensch muss gegen die (offensichtlichen) Ungerechtigkeiten, auch gegen Exzesse in der Finanzwelt sein.
Als Lösung jedoch an Gefühle überhaupt bzw. Empörung und Zorn zu appelieren - was im Übrigen in (schizoid) krassem Gegensatz zur gleichzeitig probagierten 'Gewaltlosigkeit' steht- ist unverantwortlich und dumm. Eben nicht reif sondern unreif, verworren und geeignet (alles) falsch zu machen, was falsch gemacht werden kann.
Den Satz: "Motiv zum Widerstand ist die Empörung" könnte zum Anlass genommen werden, ihn als puren Brandstifter zu sehen. Im letzten Absatz fordert er aber zu Hilfe von Entrechteten auf (das -oft selbst entwürdigende- 'Bedauern', besonders wenn es demonstrativ und nicht stille Eigenmotivation zur Hilfe ist, kann/soltte man sich sparen).
Zuzustimmen ist dem Satz:"Gleichgültigkeit ist die schlimmste Einstellung". Deswegen sollte Motiv für Widerstand -gegen welche Ungerechtigkeiten auch immer- nicht Empörung sein, sondern primär das Ziel selbst ein eigenverantwortliches, gerechtes Leben zu führen. Nur souveräne, selbständige Menschen sind in der Lage, anderen zu helfen.
Es scheint im Trend zu liegen, Geschichte einfach umzuschreiben.
Französische Sozialisten haben sich mitnichten "seit 1948" für Menschenrechte interessiert - zumindest nicht für die zwischen Elbe und Wladiwostok. Maos Kulturrevolution jagte wohlige Schauer über die Rücken französischer Linker und "Bruder Nummer 1" hat in Frankreich seine Lehr- und Wanderjahre verbracht.
"Umweltschutz" war (in D. stärker als in F.) das Vehikel Linksradikaler, um aus dem Ghetto der Bedeutungslosigkeit zu kommen - noch heute werden div. Schweinereien wie Lack- oder Teerseen in der Ex-DDR saniert. Bei jedem - ich wiederhole mich gerne: bei jedem - Machthaber in den alten Kolonien hat(te) die französische Politik ihre Finger im Spiel und ich meine mich erinnern zu können, daß es Mitterand war, der einem Bokassa finanziell bei dessen Kaiserkrönung unter die Arme gegriffen hat.
Wenn ich nicht Respekt vor dem Alter hätte, würde ich jetzt sagen, was ich von Hessels´ Umdeutungen halte.
Ich bin sehr häufig anderer Meinung als die FAZ, sicher in ihrer HAltung zu Wirtschafts- und Finanzpolitik und ihrer ausschließlich negativen Haltung zu allem, was links sein könnte. Aber es es sind diese Artikel wie über Stéphane Hessel, die die FAZ so wertvoll und unschlagbar machen. Ich lese sie täglich im Internet und möchte sie nicht missen. Glückwunsch!
Starker Aufruf: "Zorn auf die Ungerechtigkeit"
Ich bin wahrlich kein Kapitalismus- oder Gloalisierungsgegener. Ein Punkt stimmt jedoch stets aufs Neue bedenklich: Der Grad der Ungerechtigkeit mit dem wir uns im Alltag bereits abgefunden haben!
"Nehmt Euch in Acht vor alten Mämmern, die haben Nichts mehr zu verlieren!"
Bernhard Shaw
In Frankreich wird die Empörung gefeiert, in Deutschland macht man 'Wutbürger' und 'Gutmenschen' mit genau diesen an sich edlen Attributen lächerlich. Dabei liegt Stéphane Hessel vollkommen richtig: Nicht Sinti, Harz IV-Empfänger oder Zuwanderer unterwandern eine Gesellschaft, das sind im schlechtesten Fall die Schwachen und Machtlosen. Nein, es waren und sind gierige Reiche und persönliche Machtfantasien (à la George Bush, Sarah Palin oder dazumalen auch Magret Thatcher), welche die westliche Welt schwächen und von innen aushöhlen.
Also ich weiß nicht recht, irgendwie ist den deutschen Journalisten verloren gegangen, was ein Pamphlet ist, nämlich eine Schmähschrift mit vor allem persönlicher Auseinandersetzung.
Hessels Aufsatz ist ein Aufruf an die Jugend.
Wäre schön, wenn es hierzu mal ein Fortbildungsseminar in der F.A.Z. gäbe.
Bis dahin kaufe ich die F.A.Z. (noch) nicht, muss aber klar und deutlich sagen, dass sich in den letzten Monaten eine Tendenz von der SZ zur F.A.Z. abzeichnet. Es finden sich immer wieder gut recherchierte Artikel.
Der Text sollte auch in Deutschland zum Bestseller werden!
Während mich die Auszüge aus Hessels Text beeindruckt haben, finde ich den FAZ-Kommentar dazu etwas neben der Mütze. Ich fand keinen Satz in Hessels' Text, dem ich nicht zustimmen könnte, und ich fand auch keine relevanten marxistischen Anklänge. Die "Revolution" ist eben einfach eine Leitmetapher im französischen Diskurs, was ist daran auszusetzen?
Die Diktatur des Geldes heute, das stimmt doch! Man muss kein Marxist sein, um das zu sehen. Auch der weltweite Rahmen, den er aufspannt, macht für mich, der ich in Pakistan lebe, nur allzu viel Sinn.
Die Linken haben noch NIE auch nur einen echten (!) Denker oder Intellektuellen
hervorgebracht.
Und Herr Hessel setzt diese dürftige Tradition fort.
Anscheinend sind das alles Anbeter des Geistes-Wichtelismus (kommt von Geistes-Wichtel, der Gegensatz zum Geistes-Riesen).
Verstehe ich den Mann und seine Äußerungen über die Medien richtig?
Man darf in Frankreich also eine Zeitung, einen Radio- oder TV-Sender gründen, diese dürfen allerdings bei den Franzosen nicht beliebt sein, also keinen Absatz finden und dürfen nicht erfolgreich sein, da man sonst reich werden könnte und dies bedeuten würde, dass "Medien sich in den Händen der Reichen befinden", ja? Mal wieder ein interessantes Beispiel dafür, dass Europäer (und die "konservative" FAZ hilft publizistisch) "republikanische" Ideale ganz gerne mit Idealen einer "Volksrepublik" verwechseln.
Wir müssen die Eliten stellen: woher habt ihr euren Reichtum?
Bißchen verwirrt und widersprüchlich, der Herr
Sein Alter und seine Tätigkeit in der Résistance in Ehren, aber Herr Hessels scheint auch einen Kampf gegen den "Imperialismus des Logos" zu führen. Denn einen stringenten Gedankengang konnte ich in diesen Zeilen kaum finden. Aufruf zur Gewaltlosigkeit, aber hat die Résistance damals auf Gewalt verzichtet? Ab wann ist es legitim zur Gewalt zu schreiten? Glaube an die universellen Menschenrechte und Interventionsrecht bei Menschenrechtsverletzungen, aber im Fall Irak 2003 und Saddam Hussein gilt das dann nicht? Gaullist, Sozialist, Grüner, Maoist und weiß der Kuckuck, was Herr Hessels noch so alles war und ist oder mit wem er sympathisiert. Auf jeden Fall war und ist er nicht Frankreichs größter Denker. Und für eine Kulturnation auch kein gutes Zeichen, dass solch verquerte Analysen Anklang finden.
Das Problem sind nicht "die Banken" und "die Riesengehälter" und "der Abstand zwischen arm und reich", auch nicht "das Misstrauen gegenüber illegale Immigranten".
Problematisch ist lediglich, dass die Parlamentarier offensichlich nicht wissen, wem sie verpflichtet sind. Problematisch ist, dass seit Jahrzehnten die Interessen von Minderheiten ein viel zu großes Gewicht erhalten. Probelmatisch ist, dass eigene kulturelle Werte Werte und Errungenschaften nicht verteidigt werden. Problematisch ist, dass man von fremdkulturellen Einwanderern keine Achtung vor unseren Werten einfordert. Problematisch ist, dass man von fremdkulturellen Einwanderern keine Leistung, kein Anstrengung einfordert usw. usf.
Ich sag's ungern, doch nach meinem Dafürhalten ist Hessels Pamphlet nichts weiter als seniles Geschwätz, als Parolen von gestern - nicht passend auf die heutige Situation.
Frankreich war besiegt und die Résistance hat es bestimmt nicht gerettet.
Kurz noch die Anmerkung: Seit Descartes ist die Philosophie in Frankreich vollkommen verschwunden.