Zehn Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September werden in New York erstmals Pläne für die künftige Nutzung von Ground Zero vorgestellt. Gemeinsam ist den sechs Entwürfen, die seit Dienstag in der Federal Hall an der Wall Street zu sehen sind, dass sie zum Gedenken an die mehr als 2800 Todesopfer eine Gedenkstätte vorsehen. In einigen Entwürfen ist dafür die Hälfte des Platzes vorgesehen, in anderen zwei Drittel der Fläche.
In New York wurden die Pläne, die für die Planungsgesellschaft "Lower Manhattan Development Corporation" und die Hafenbehörde - letztere ist Eigentümerin des Areals - ausgearbeitet worden waren, schon Vertretern der Stadt, Architekten und Bürgerinitiativen präsentiert. Nach den Vorstellungen aller Planer sollen die künftigen Gebäude deutlich niedriger bleiben als das World Trade Center: Zwischen vier und sechs Türme sind in den Entwürfen vorgesehen, die nicht mehr als 85 Stockwerke fassen. In den eingestürzten Twin Towers fanden sich je 110 Stockwerke. Höchster Punkt in jedem Modell sind ein oder zwei Antennenspitzen, die 457 Meter in die Höhe ragen; beim Nordturm des alten WTC waren es 526 Meter.
Platz, Park oder Promenade
Die Modelle tragen die Namen „Memorial Plaza“, „Square“, „Triangle“, „Promenade“, „Garden“ und „Park“, unterscheiden sich voneinander jedoch geringfügiger, als es die Namen erwarten lassen. Genutzt werden sollen die Gebäude vor allem für Büros und Geschäfte. Nach einigen Entwürfen sollen in vorhandenen Gebäuden südlich des früheren Standorts der Zwillingstürme auch Wohnungen entstehen und Kulturveranstaltungen stattfinden, damit in der Gegend auch nach Büroschluss noch Leben herrscht.
Die Entwürfe stehen freilich erst am Anfang eines Entwicklungsprozesses, der sich mindestens bis zum Ende des Jahres fortsetzen wird. Ziel ist es, sich bis September auf drei Entwürfe zu einigen, um dann im Dezember einen abschließenden Entwurf vorstellen zu können. Dieser soll sich durchaus auch aus Elementen mehrerer Modelle zusammensetzen können. Bürgermeister Bloomberg nannte die Pläne einen "Startpunkt", von dem aus so viele Ideen wie möglich gesammelt werden sollten. So ist für Samstag eine Anhörung geplant. Debatten werden unter anderem zu der Frage erwartet, wie viel Platz dem Gedenken an die Opfer der Terroranschläge gewidmet werden soll.
Kein Platz für neue Ideen?
In einigen Plänen wird die Grundfläche beider Zwillingstürme von der Bebauung ausgenommen, nach anderen Entwürfen soll nur die Fläche eines Turms in die Planung für die Gedenkstätte einbezogen werden. Umstritten sind auch die behördlichen Vorgaben, die sich zu sehr an dem anlehnten, was vor dem 11. September gewesen sei, und nicht genug Raum für neue Ideen ließen, wie Bürgerinitiativen bemängeln.