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Berliner Stadtschloss : Wir tummeln uns am sandigen Strand der Spree

Rohbau der Verwaltungszentrale eines Basler Pharmakonzerns? Das übliche Berliner Betonkistenelend? Falsch: Hier wird das Stadtschloss der Hauptstadt gebaut Bild: Jens Gyarmaty

Die Betonwände des Stadtschlosses von Berlin stehen schon. Für die barocke Fassade wird das Geld hauptstadttypisch erst mal nicht reichen – und unter dem Schloss wird schon ein Freibad geplant.

          Wenn in Berlin über eine Großbaustelle gesprochen wird, dann geht es in der Regel um den halbfertigen Flughafen Berlin-Brandenburg International, der trotz aller Beteuerungen des Flughafenchefs Hartmut Mehdorn und des üblichen Machtjanix-Gebrummes von Bürgermeister Klaus Wowereit nie fertig zu werden scheint, weswegen eine Gruppe verärgerter Berliner seit ein paar Tagen Unterschriften für das Volksbegehren „Wowereit Rücktritt“ sammelt – wegen des Flughafendesasters und Wowereits Verständnis für seinen steuerhinterziehungsfreudigen Kulturstaatssekretär André Schmitz, erklärte der Sprecher der Initiative, Felix Herzog, im Radio, und auch wegen der Mieten und der Vorgänge am Schloss.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Genau: das Stadtschloss. Da war mal was. Die zweite Großbaustelle. Da wurde jahrelang gestritten, die Debatte füllt inzwischen so viele Zeitungsseiten und Videokassetten und Tonbänder, dass man daraus leicht das Schloss in Originalgröße aufstapeln könnte, der Bundestag entschied schließlich, das Schloss müsse wieder her; im vergangenen Jahr hatte man einen Grundstein gelegt, Präsident Gauck hatte sein feierlichstes Gesicht aufgesetzt und Wowereit das Schloss einen „Leuchtturm“ genannt, einen kulturellen (die Schiffer an der Nordsee würden sich schön bedanken für solche Leuchttürme), und mit der Grundsteinlegung schien die Diskussion ein für allemal beendet.

          Wer schaut nicht gern in ein Abluftgitter?

          Schien. Denn im vergangenen Jahr gab es, nachdem die Ostalgiker und Modernisten erfolgreich vom Schlossplatz gejagt worden waren, einen ordentlichen Krach im Nostalgielager: Das bisher gegen die Anhänger des Palasts der Republik geeinte Feld teilte sich in Anhänger des Schlossentwurfs des Italieners Franco Stella, der die pittoreske und nicht rekonstruierbare historische Ostfassade durch eine sehr – nun ja: rationalistisch moderne Rückfassade ersetzen will. Das kommt vor allem im Osten nicht gut an, wo man vor dem Mauerfall auf die kühle Moderne des Palasts der Republik schaute und jetzt statt einer anheimelnden Schlossfassade wie als hämischen Witz einen noch kühleren italienischen Razionalismo vorgesetzt bekommt – so, als ob die feinen Verzierungen wie damals als Exportprodukt in den Westen gehen und der Osten mal wieder nur ins Abluftgitter schauen darf.

          So soll es mal werden. Wird es so? Gipsmodell vom Berliner Stadtschloss
          So soll es mal werden. Wird es so? Gipsmodell vom Berliner Stadtschloss : Bild: dpa

          Dagegen macht der Architekt Stephan Braunfels mobil, der Stellas Fassade nicht mag und vorschlug, sie einfach wegzulassen, wodurch aus dem Kasten bautypologisch ein französisches „Hôtel“ werden würde, mit einer Geste der Öffnung nach Osten. Jetzt fliegen im Lager der siegreichen Schlossfreunde die Kapitelle. Es geht darum, welcher Schlossentwurf noch schlossiger wäre, und die Berliner, die sich schnell langweilen und noch schneller aufregen und deswegen gern Volksbegehren anzetteln, gründeten vor ein paar Wochen die Bürgerinitiative „offenes Schloss“, um die geplante Ostfassade zu verhindern.

          Vor einigen Tagen begann die Unterschriftensammlung, was bei Bundesbauten nicht viel bringt – es gehe aber auch vor allem darum, Druck zu erzeugen, gab Michael Knoll, Leiter des Berliner Büros der Hertie-Stiftung, der lokalen Presse zu Protokoll. Die Stellarianer sind außer sich, eine Umplanung des nach jetzigen Hochrechnungen 590 Millionen Euro teuren Schlosses würde 200 Millionen mehr kosten, das Schloss werde dann, so ein Sprecher des Schlossvereins, ein Himmelfahrtskommando wie der neue Flughafen. Da war er, der böse Vergleich. Könnte es auch passieren, dass an der Spree gar kein Schloss entsteht, sondern nur eine teure Ruine? Oder etwas ganz anderes?

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