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Stadtplanung : Make Potsdam schön again

Das ist es, was konservative Urbanisten meinen, wenn sie „die europäische Stadt“ beschwören: Vier, fünf Stile, die aufeinanderkrachen. Bild: Andreas Müller

Das Städtchen Potsdam ist halb so groß wie Bielefeld, aber mindestens zehnmal so bedeutend. Nun will Brandenburgs Hauptstadt schöner werden. Trotz aller Bürgerproteste werden die DDR-Bauten abgerissen – ein Fehler.

          Das Städtchen Potsdam, am südwestlichen Stadtrand Berlins gelegen, ist halb so groß wie Bielefeld – aber mindestens zehnmal so bedeutend. Das sehen jedenfalls viele Potsdamer so und erst recht die Neu-, Wahl- und Gesinnungspotsdamer, von denen immer noch mehr kommen. Potsdam wächst. Bald wird es halb so groß wie Bochum sein.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dass Potsdam so bedeutend ist, hat zum einen mit der Lage zu tun. Es gibt hier sehr viel Wasser; selbst der Aldi an der Berliner Straße hat eine Anlegesteg für jene Kunden, die den Champagner am liebsten im eigenen Boot transportieren. Berlin ist nah, man kann hier wohnen und dort arbeiten: Potsdam, als Villenvorort der Hauptstadt und heimliche Hauptstadt zugleich. Denn vor allem liegt es an der Geschichte: Dass das hier früher Preußen war und bis vor knapp hundert Jahren die Residenz der Kurfürsten und Könige, das sieht man hier viel besser als in Berlin: die großen Parks, darin die Schlösser; und drum herum die Villen, die nicht so nobel wie ihre italienischen Vorbilder sind. Dafür haben sie, statt bloßer Hausnummern, Eigennamen, gerne mit einem „von“ davor.

          Die Stile ausprobiert wie andere Leute Kleider

          Wer, was ja ein extrem populäres Missverständnis ist, die preußische mit der deutschen Geschichte verwechselt, der wird hier die Präsenz der Tradition, den Hauch der Geschichte in ungeahnter Intensität zu spüren glauben: Am 24. Januar, dem Geburtstag Friedrichs II., legen überzeugte Preußen gern eine Kartoffel aufs Grab. Und wer niemals einverstanden war mit der kargen Staatsästhetik der Bundesrepublik, der findet hier ein viel reicheres Angebot: Friedrich II. und Friedrich Wilhelm IV. haben die Stile ausprobiert, wie andere Leute die Kleider anprobieren. Etwas Repräsentatives ist immer dabei.

          Schön, dass hier wenigstens etwas noch wirklich alt ist: Links das Stadtschloß, rechts die Fachhochschule. Sie soll einem Wohngebäude-Ensemble weichen.

          Allerdings endet die Zeit, die man hier Geschichte nennt, je nach Standpunkt im Jahr 1918, spätestens aber 1945. Dass danach etwas kam, der sogenannte Sozialismus: Das ist nicht historisch. Das ist nur noch lästig.

          Dem Bild, das sich Potsdam von seiner Geschichte macht, nähert man sich am besten von Norden her. Vom Platz der Einheit geht es über eine breite Straße, über einen Fußweg zwischen Büschen und modernen Fassaden. Dann weitet sich der Blick, und man steht auf einem Platz, den man dem kleinen Städtchen nicht zugetraut hätte. Zwei scheinbar barocke Bauten dominieren den Blick nach Süden, das Stadtschloss und der Barberini-Palast. An der Ostseite steht das Alte Rathaus, Palladios Renaissancevillen nachempfunden. Im Norden, riesig, brutal und kantig, der aggressiv antibarocke Klassizismus der Nikolaikirche, ein Bau, dem man ansieht, dass der Bauherr und die Architekten lange nicht wussten, ob das ein griechischer Tempel werden sollte. Jetzt wächst da eine Kuppel heraus, die viel zu groß für den Rest der Kirche ist. Und an der nordwestlichen Ecke ragt der Modernismus der Fachhochschule in den Platz, ein eleganter zweistöckiger Bau auf schlanken Säulen, dessen Fassade dringend neuen Putz und einen neuen Anstrich brauchte.

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