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Veröffentlicht: 01.01.2002, 15:58 Uhr

Stadtplanung Hamburgs Bürgermeister will "architektonische Sensationen" schaffen

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gefällt sich in seiner neuen Rolle als tatkräftiger Anschieber von Bauprojekten.

Drei Monate war wenig zu hören von dem neuen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. Der Kulturszene fiel der 46-Jährige vor allem durch seine noch immer erfolglose Suche nach einem Kultursenator auf. Doch jetzt scheint der CDU-Politiker eine Rolle gefunden zu haben: Als "Bau-Bürgermeister" will er das Gesicht der Stadt neu gestalten.

„Ich wünsche, dass wir auch architektonische Sensationen schaffen“, sagte Beust, als er seine Visionen für 2002 vorstellte. „Ich will dieses Mittelmaß bei den Bauprojekten nicht mehr haben“, klagte er und trat damit der rot-grünen Vorgängerregierung noch einmal kräftig hinterher.

Beusts Projekte als Bau-Bürgermeister

Vier große Projekte will Beust im kommenden Jahr auf den Weg bringen. Wenn er sich durchsetzt, könnten große Teile Hamburgs in zehn Jahren ein neues Gesicht haben.

Hafencity/Olympia:

Beust will dafür sorgen, dass die gigantischen Projekte von Wohnungs- und Gewerbebauten auf dem bisherigen Hafengelände südlich der Innenstadt zu 80 Prozent in den nächsten zwölf Jahren fertig werden. Der alte Senat wollte sich bis 2030 Zeit lassen. „Ich hoffe auf bewusste architektonische Provokationen, die international Maßstäbe setzen“, sagte Beust. Auch die Olympiabewerbung für 2012 will er mit Macht vorantreiben, wie er sagte.

Domplatz:

Nach Jahren der Tatenlosigkeit will Beust die Bebauung des Domplatzes in der Innenstadt angehen: Das riesige Viereck neben dem Verlagshaus der „Zeit“ ist seit Jahren ein matschiger Parkplatz. „Hier darf nichts Herkömmliches gebaut werden“, erklärte der Politiker.

Jungfernstieg:

Die Straße am Südende der Alster ist eine der feinsten Einkaufslagen der Stadt: Doch auf der zum Wasser gelegenen Seite der Straße herrscht 60er-Jahre-Öde: graue Granitplatten, ein paar Pavillons, ein Cafe. Beust will die Wasserseite neu gestalten lassen, einen Wettbewerb ausschreiben.

Europa-Passage

In der Innenstadt soll eine gigantische Luxus-Passage entstehen, für die auch eine ganze Straße überdacht werden soll. Denkmalfreunde hatten kritisiert, dass mit dem Projekt die historische Ansicht der Innenstadt verschandelt werden könnte. Baumeister Beust versicherte dazu: „In der Silhouette um die Alster darf nicht kaputt gemacht werden, was Hamburg ausmacht.“

Die Stadterneuerung soll politisch positionieren helfen

Beust gefällt sich in seiner neuen Rolle als tatkräftiger Anschieber von Bauprojekten: Immer wieder benutzt er Formulierungen wie „Ich will...“, „Ich werde dafür sorgen dass..“ und so weiter. Aber mit dem neuen Fokus hat er auch eine Rolle für sich selbst gefunden, mit der er nach außen wirken kann: Ole, der Stadterneuerer.

Beust hatte ein Probleme bei seiner Profilierung: Er konnte nicht als starker Mann beim Thema innere Sicherheit auftreten, diese Rolle ist von Ronald Schill besetzt, der im Zweifel immer die härtere Position eingenommen hätte. Auch eine Rolle als Wirtschaftsförderer und Arbeitsplatzbeschaffer passte nicht: Die Hamburger Wirtschaft steckt auch in der Rezession, Arbeitsplätze gehen massenhaft verloren. Beust wäre als Verantwortlicher für die Krise erschienen. In der Kulturpolitik hat er Teller zerschlagen, als ihm die erwünschte Kultursenatorin wegen vorgreifender Etatsorgen von der Schippe sprang.

Was wegweisende moderne Architektur angeht, ist Hamburg eine Wüste. Bei den Neubauten dominiert roter Backstein, ein paar maritime Zitate gelten schon als einfallsreiche Gestaltung. International beachtete Projekte wie den Potsdamer Platz in Berlin kann man an der Elbe lange suchen. Für den neuen Bau-Bürgermeister gibt es also einiges zu tun.

Quelle: AP

 

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