Zur Wesensart der Kölner gehört es, dass sie der Welt gerne den Rücken zuwenden und lieber auf sich selbst schauen. Das macht sie selbstbewusst, aber auch selbstgenügsam. Die vielgerühmte Weltoffenheit der Stadt ist, genauer besehen, eine Aufforderung, sich der hiesigen Lebensart anzuverwandeln. Wer sich nicht kölschifizieren lässt, bleibt draußen, und immun zu sein gegen „dä fremde Krom“ ist lokalpatriotischer Grundkonsens. Denn so bringt es Walter Filz in seiner Mentalitätsstudie „Der Affe zu Köln oder: Petermanns Rache“ auf den wunden Punkt: „Das Andersartige darf anders sein, wenn es nur artig bleibt.“
Inzwischen aber macht sich eine kleine, qualifizierte Minderheit von „Imis“, wie die Zugezogenen hier heißen, bemerkbar, die weder, was die Abkürzung ja auch meinen könnte, Imitatoren werden noch sich mit der Provinzialität der Stadt abfinden möchten. Schon lange werben sie, vorneweg ein Initiativkreis um Navid Kermani, für eine „Akademie der Künste der Welt“, deren Gründung der Rat jetzt grünes Licht gegeben hat: „Sie ist eine international besetzte und ausgerichtete Institution, die das Kulturleben in Köln ergänzen und die bestehenden Kultureinrichtungen zeitgenössischen und neuen künstlerischen Tendenzen der Welt öffnen soll“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt, die eine Million Euro im Jahr zur Verfügung stellt: „Ziel ist, dass die Akademie zu Beginn des kommenden Jahre ihr Programm beginnt, Stipendiaten auswählt, Veranstaltungen initiiert und so zur Internationalität der Kunststadt Köln beträgt.“
Deutlich internationaler geht es beim örtlichen Fußballbundesligisten zu
Denn eben damit ist es, so hat die eigens in Auftrag gegebene Studie „Kulturwelten in Köln“ ermittelt, nicht weit her: „Der Anteil internationaler Kunstwerke am gesamten professionellen Kulturangebot liegt“, so erbsenzählt sie vor, „bei 31 Prozent“ und im Stadtteil Kalk, wo doch „44 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund“ leben, „bei“ – man höre und staune – „gerade einmal einem Prozent“!
Deutlich internationaler geht es da, um kurz den Kulturkreis zu wechseln, beim örtlichen Fußballbundesligisten zu, der gerade beispielhaft vorführt, welches Unruhepotential das für die Stadt birgt. Denn der Kölner Lukas Podolski, so die Entscheidung des neuen Trainers (eines Nicht-Kölners), wurde als Mannschaftskapitän abgesetzt und ein Spieler (ebenfalls Nicht-Kölner), der nicht mal richtig Deutsch sprechen soll, mit der Ehre betraut. Was nun wirklich zu weit geht und, wie sich gerade zeigt, die Volksseele der von Natur aus friedfertigen Kölner zum Kochen bringt.