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Sprechen über Düsseldorf Gebrochen deutsch

18.11.2011 ·  Im Düsseldorfer Schauspielhaus treffen sich allmonatlich neu Zugezogene zum Gespräch über die Stadt. Derart ungezwungene Liebeserklärungen hat sie lange nicht mehr vernommen.

Von Andreas Rossmann
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Seit ein paar Wochen erst ist er Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses und fühlt sich in der, wie er sagt, „bürgerlichen, provinziellen, netten Stadt“ nicht angekommen. Aber geht es Staffan Valdemar Holm da nicht wie vielen, die schon länger hier leben, auch fremd sind oder es einmal waren? Und wie sehen und erleben sie die Stadt, die, von außen schnell nur mit der Königsallee und dem Karneval identifiziert, als neureich und dünkelhaft abgestempelt wird?

Der Schwede Holm, der seinen „Hamlet“ gerade in einen großen, leeren goldenen Kasten gesetzt und so das Klischee auch ein wenig gekitzelt hat, will es genauer wissen und hat dafür eine monatliche Gesprächsreihe erfunden, zu der er andere Neudüsseldorfer einlädt, um auf der Bühne - nein, „nicht über Sarrazin, das könnten wir auch, aber das ist nicht unser Fokus“, sondern - über Düsseldorf zu reden: „Gebrochenes Deutsch“ wird dabei gesprochen, und auch wenn dieser Titel zum Auftakt immer wieder kokett zu funkeln begann, passte er doch, da hier, öfter mal nach der passenden Formulierung suchend, keine seichte Talkshow-Routine rundlief.

Die Stadt mit anderen Augen sehen

Die ersten Lektionen hat Holm bereits gelernt, ein Bild der „Schlacht bei Worringen“ anno 1288, in deren Folge Düsseldorf Stadtrechte erhielt, hatte er als Prospekt aufhängen, den „Düsseldorf-Song“ der „Toten Hosen“ als Ouvertüre losdonnern lassen, doch seine Gäste ließen sich davon nicht verschrecken. Unbeeindruckt von Möchtegern-Mondänität und Schickimicki-Schmähungen, zeichneten sie sehr persönliche Bilder der Stadt und machten nicht einmal um das große Wort „Heimat“ einen Bogen. Derart ungezwungene Liebeserklärungen hat Düsseldorf lange nicht mehr vernommen, und als Holm nach dem Lieblingsort fragt, wird noch etwas mehr daraus.

Die Taxifahrerin aus Sarajevo findet ihn „überall am Rhein“, der Eishockeytrainer aus Winnipeg „am Hafen“, der Tänzer aus Ancona gerät über den „wunderschönen Park“ von Schloss Benrath ins Schwärmen, und die Kostümbildnerin aus Tiflis macht die nächtliche Uferfront von Oberkassel als „Märchenseite der Stadt“ aus. Gerade mal eine Inszenierung hat Holm bisher gezeigt und doch den Düsseldorfern mit einer kleinen, uneitlen und sympathisch holprigen Abendunterhaltung bereits nahegebracht, ihre Stadt mit anderen Augen zu sehen.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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